Andreas sander wirft hin: mitochondrien zerstören olympia-traum

Andreas Sander tritt ab. Die Mitochondrien in seinen Muskelzellen liefern keinen Saft mehr – und mit ihnen bricht die Karriere des einst gefürchteten Speed-Bullen zusammen. Nach 197 Weltcup-Starts, zwei Podestplätzen und Silber bei der WM 2021 sagt der 36-Jährige in Tirol Servus.

Die diagnose, die alles beendete

2024 stellten Ärzte beim Ennepetaler eine mitochondriale Dysfunktion fest. Die Kraftwerke der Zellen streiken, der Körper versagt. Sander konnte nur noch schlurfen, setzte sich nach 100 Metern auf eine Bank. „Ich habe alles probiert, wieder auf Weltcup-Niveau zu kommen“, sagt er, „aber die Uhr tickt anders.“

Der Abschied erfolgt bei den deutschen Meisterschaften im Axamer Lizum – einem Ort, der ihm einst Speed-Ruhm bescherte. Dort wird er am Samstag die Startnummer aufreißen und sich in die Rente der Bergfexe verabschieden. Kein Abschiedsgestammel, nur ein kurzer Handschlag mit dem Schiedsrichter und dann runter ins Tal, wo Frau und zwei Kinder warten.

Statistiken, die lügen können

Statistiken, die lügen können

Zwei Podestplätze klingen nach wenig. Doch wer Sander live erlebte, weiß: Er war der Typ, der in Aspen 2023 um Hundertstel gegen Beat Feuz verlor und trotzdem lachte. Der Mann, der in Cortina mit Startnummer 19 Silber holte, weil er die Ausfahrt ins Muro di Sci voll auf Kante fuhr. Seine 197 Starts sind keine Zahl, sondern ein Bild: Helm runter, Kante rein, bis die Beine qualmen.

DSV-Sportvorstand Wolfgang Maier spricht von einer „tragenden Säule“. Gemeint ist nicht nur die Statur von 1,86 m, sondern die Ruhe, mit der Sander selbst Kitzbühel erklärte: „Hahnenkamm ist einfach Gas geben, mehr nicht.“ Diese Lässigkeit fehlt im Kader seit seinem letzten Saisonaus.

Was bleibt, sind geschichten

Was bleibt, sind geschichten

Sander selbst macht kein Drama. Er will „erst mal gesund werden“, dann sieht man weiter. Eventuell Coachtalent, eventuell TV-Experte. Die Skistiefel stehen bereits im Keller, die Atomic-Binder hat er zurückgegeben. Nur das Silbermedaillon aus Cortina hängt noch am Wohnzimmerwand – ein bleibender Glanz in einem Körper, der keine Watt mehr liefert.

Am Samstag wird es warm im Lizum. Die Sonne klopft auf die Piste, und wenn Sander die letzte Kurve fährt, werden einige Kollegen die Stöcke heben. Kein Triumph, aber ein Schlussstrich, den er selbst schreibt. Dann hebt er den Blick Richtung Zugspitze und verschwindet in der Menge – mit 36 Jahren und einer Krankheit, die schneller war als jede Abfahrt.