Spanoulis wirft hin: monaco steht mit zehn spielern vor dem aus

Die AS Monaco zerfällt in Echtzeit. Am Montagabend schritt Vasilios Spanoulis, der seit Sommer 2024 Chefcoach ist, in das Büro von Präsident Didier Lemaire und legte das Handy mit der Videobotschaft auf den Tisch: Ich bin raus. Sekunden später kursierte die Nachricht in ganz Thessaloniki, dann in Athen, dann in der EuroLeague-Whatsapp-Gruppe. Kein offizielles Communiqué, nur das griechische Portal Sport24, das den Exodus exklusiv bestätigt.

Der klub zahlte gehälter zu spät – und die sozialversicherung gar nicht

Die Kausalkette ist so einfach wie brutal: Weil Eigentümer Alexey Fedorychev auf der EU-Sanktionsliste steht, sind seine Konten in Monaco und Zypern eingefroren. Ergebnis: Die Löhne für Oktober und November kamen mit 28 Tagen Verspätung. Die obligatorischen Sozialabgaben blieben aus. Die Spieler fanden statt Geld nur Post vom Staatsanwalt im Briefkasten.

Die Regierung der Principauté schoss 2,5 Millionen Euro nach – ein Tropfen auf einen heißen Stein, denn die Forderungen summieren sich auf 7,3 Millionen Euro. Das Insolvenzverfahren wurde nicht abgewendet, nur auf den 30. Januar vertagt. Bis dahin muss der Klub 60 Prozent der Schulden begleichen, sonst gibt es keine Lizenz für die Saison 2025/26.

Tabellenführer zu versager-achter: sieben niederlagen in acht spielen

Tabellenführer zu versager-achter: sieben niederlagen in acht spielen

Die Unsicherheit frisst die Mannschaft. Nach dem 92:70 gegen Bayern München stand Monaco noch an der Spitze der EuroLeague. Seitdem folgten sieben Pleiten in acht Partien, zuletzt ein 68:94 in Berlin, das die Fans in der Salle Gaston Médecin mit Pfiffen quittierten. Die Playoffs rücken in weite Ferne: Auf Platz 13 liegend, beträgt der Rückstand auf Platz 8 bereits drei Siege bei nur noch fünf Spielen bis zum Cut.

Und die Personaldecke wird dünner. Mit Alpha Diallo (Knie), Donta Hall (Fersenruptur) und Jordan Loyd (Syndesmose) fehlen drei Starter. Mike James laboriert an einer Schambeinentzündung, Dwayne Bacon hat sich den Mittelhandknochen geprellt. Trainer Spanoulis musste zuletzt mit nur zehn gesunden Profis antreten – zwei davon sind Nachwuchsspieler, die eigentlich in der ProB spielen sollten.

Die kabine reagiert mit schweigen – und einem neuen hashtag

Die kabine reagiert mit schweigen – und einem neuen hashtag

In der Kabine herrscht Funkstille. Keiner der verbliebenen Stars gab nach dem Berlin-Spiel ein Interview. Stattdessen postete Center Mouhammadou Jaiteh auf Instagram ein Schwarzbild mit dem Hashtag #WeWillSurvive – ohne Text, nur Uhrzeit 02:37 Uhr. Ein Bild, das mehr sagt als alle Pressestatements.

Spanoulis selbst flog noch in der Nacht nach Athen. Teamkollegen berichten, er habe die Spieler vor seiner Abreise in einer fünfminütigen Rede gebeten, „die Professionalität nicht zu verlieren“. Dann stieg er in den Flieger – und überließ das Chaos denen, die bleiben mussten.

Die lizenz droht, die euroleague drückt auf den zeitplan

Die Ligaverwaltung will bis 15. Februar Klarheit. Fehlt die Nachzahlungsbestätigung, droht der Ausschluss aus der laufenden Saison. Die Konkurrenz reagiert mit Mischung aus Mitleid und Machtkalkül. Real Madrid gilt als potenzieller Retter: Ein Vorstand wollte Monaco Anfang der Woche ein Darlehen über fünf Millionen Euro anbieten – gegen Sicherheiten in Form von TV-Rechten und Nachwuchstalenten. Die Offerte liegt auf dem Tisch, unterschriftsreif.

Die Fans indes organisieren Protestkundgebungen vor dem Parlamentsgebäude. Ihr Slogan: „Football-club or money-laundry?“ – ein Seitenhieb auf Fedorychevs Immobiliendeals in der Principauté. Die erste Demo ist für Samstag angemeldet, parallel zum Heimspiel gegen Olympiakos. Sollte die Partie verlegt werden, wäre es das zweite Mal in zwei Wochen. Denn wer weiß, wie viele Spieler dann noch zur Verfügung stehen.

Monaco war einst das Flaggschiff französischer Basketball-Hoffnungen. Heute ist der Klub ein Schiff ohne Kapitän, das auf offener See treibt – und die nächste Welle kommt bereits.