Senegal zieht vor den cas: afrika-cup-titel wird zur schlammschlacht
Die Titel-Party ist abgesagt. Der senegalesische Fußballverband klagt gegen die Aberkennung des Afrika-Cup-Siegs 2025 – und liefert sich damit eine juristische Schicksalswoche mit dem marokkanischen Erzrivalen.
Der zwölfte mann war ein brief
Am 18. Januar in Rabat stand Brahim Diaz mit dem Ball auf dem Punkt, 95 000 Zuschauer rasten, Senegals Spieler stampften wütend in den Kabinentrakt. Was damals wie ein kurzer Protest aussah, wird nun zur Begründung für den größten Umbaustopp der afrikanischen Fußballgeschichte. Die CAF hob den 1:0-Sieg der Lions auf, strich Senegal den Titel und übergab die Trophäe nachträglich an Marokko. Grund: Verstoß gegen die Anti-Boykott-Klauseln der Wettbewerbsordnung, Artikel 82 und 84.
Der senegalesische Verband reagierte am Mittwoch mit der einstweilig einzigen Waffe, die ihm bleibt: einer Berufung beim Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne. „Wir haben alle Beweise, dass die Spielunterbrechung maximal 90 Sekunden dauerte und nach Druck der marokkanischen Delegation erfolgte“, sagte ein FSF-Insider dem Sender RTS. Die Beweisliste umfasst laut CAS-Akte 38 Seiten, darunter Videoanalysen der Fernsehbilder und Tonmitschnitte des Schiedsrichter-Funks.
Matthieu Reeb, Generaldirektor des CAS, kündigte ein Beschleunigungsverfahren an. „Wir wissen, dass Klubs, Spieler und Fans eine rasche Entscheidung brauchen, doch Fairness geht vor Tempo“, betonte er. Die mündliche Verhandlung soll bereits in der zweiten Aprilwoche stattfinden, das Urteil könnte bis Mitte Mai fallen – nur wenige Wochen vor dem Start der Afrika-Cup-Qualifikation 2027.

Was senegal riskiert – und was marokko schon einkassiert hat
Für die Teranga-Löwen geht es um weit mehr als Pokalglanz. Die CAF hatte parallel zur Titelabnahme eine Prämie von 2,5 Millionen US-Dollar zurückgefordert, zudem droht ein Ausfall von Sponsorzahlungen in Höhe von geschätzt 8 Millionen Euro, sollte die Berufung scheitern. Marokko wiederum hat die Siegprämie bereits verbucht, doch selbst das Königshaus will die Trophäe noch nicht offiziell in Empfang nehmen. „Wir warten auf den CAS-Segner“, sagte Fouzi Lekjaa, Präsident des marokkanischen Verbands, dem Portal Le360.
Die juristische Achterbahn hat auch Folgen für die Kadersplanung. Trainer Aliou Cissé musste den geplanten Vertragsverlängerungen eine Absage erteilen, bevor die Rechtslage geklärt ist. „Keiner unterschreibt, wenn er nicht weiß, ob er künftig als Afrika-Cup-Sieger oder als nackter Vizemeister aufläuft“, sagte ein Berater des Kapitäns Kalidou Koulibaly.
Die nächsten Wochen bestimmen nicht nur den Champion, sondern die Glaubwürdigkeit des kontinentalen Verbandes. Sollte der CAS die CAF-Entscheidung kippen, wäre es der erste Titel-Umzug in der 67-jährigen Geschichte des Wettbewerbs. Keine Partei will sich eine Niederlage erlauben – und kein Fan darf sich sicher sein, dass das Drama von Rabat nicht einfach die nächste Episode bekommt.
