Navarro fordert lücken in laliga hypermotion: „wir spielen mit gebrochenen kadern“
Ximo Navarro schießt gegen den Kalender. Der Außenverteidiger von Deportivo La Coruña verlangt einen nationalen Pause-Modus auch für LaLiga Hypermotion, nachdem seine Mannschaft in den letzten Wochen mehrere Stammkräfte an FIFA-Länderreisen verlor – und prompt Punkte liegenließ. „Wenn dein eigenes Team die Leistungsträger abziehen muss, wird der Wettbewerb verfälscht“, sagt der 33-Jährige mit 175 Erstliga-Einsätzen im Rücken. Die Liga reagiert bislang mit Schulterzucken.
Der verband schaut weg, die klubs zahlen den preis
Navarro spricht aus Erfahrung. Gegen Albacete fehlten mit Lucas Pérez, Nacho Monsalve und Keeper Carlos Abad drei Profis, weil Marokko, Panama und Spanien U-21 sie abzogen. Ergebnis: 0:2, zweiter Auswärtsdreier in Folge verloren. „Die Tabelle lügt nicht. Wer in dieser Phase spielt, hat Nachteile – und das seit Jahren“, so Navarro. Der Andalusier rechnet vor: Zwölf von 22 Zweitligavereinen hatten am letzten FIFA-Termin mindestens einen Auswahlspieler weg, fünf Klubs sogar zwei. Bei 42 Spieltagen und durchschnittlich 1.400 Reisekilometern pro Woche sei das tödlich für die sportliche Integrität.
Die Zahlen der RFEF sind eindeutig, ignorieren das Problem aber: 68 % der international Nominierten in der Hypermotion kommen aus dem eigenen Unterhaus. Die Lösung der Dachorganisation: Einen Ruhetag einführen? Fehlanzeige. Stattdessen plustert sich der Spielplan weiter auf, weil TV-Rechte die Anstoßzeiten zerstückeln. „Der Verband verdient mit, die Klubs verlieren Punkte“, sagt Navarro trocken.

Hypermotion-paradox: je mehr spiele, desto weniger erholung
Navarros Forderung ist simpel, aber brisant: „Kopiert die Ligue 2 oder die Serie B – dort ruht der Spielbetrieb, wenn Nationalteams zusammenkommen.“ Frankreich und Italien pausieren den Unterhaus-Betrieb zweimal pro Saison komplett. Spanien dagegen zwingt die Zweite Liga, während der Nations-League-Phase weiterzulaufen. Die Folge: Trainer rotieren wild, weil sie ersetzen müssen, was FIFA-Reglements entziehen. Die Qualität leidet, die Zuschauerzahl sinkt. So geschehen in La Coruña: 21.400 Zuschauer gegen Albacete – 8.000 weniger als im Saisondurchschnitt.
Navarro erinnert sich an seine Zeit in der Primera División: „Da hatte ich eine Woche Pause, um mentaal abzuschalten. Zweite Liga bedeutet Dienstags- und Freitagsspiele, Busfahrten bis ins baskische Vitoria und zurück, ohne dass sich der Körper erholen kann.“ Das mache die Serie endlos, die Verletzungsquote steigt. Statistik des spanischen Spielerverbandes AFE: Muskelbündelrisse und Schleudertraumata nehmen in FIFA-Wochen um 18 % zu. „Es ist Wahnsinn, aber wir sollen trotzdem Lösungen finden, während andere Verantwortung abdanken“, wettert Navarro.
Der Verein duckt sich. Sportdirektor Óscar Gilsanz bestätigt auf Nachfrage, „mit der RFEF in Kontakt“ zu stehen – mehr nicht. Die Liga verweist auf das TV-Vertragswerk, das keine Spiellücken vorsieht. Navarro bleibt hart: „Wenn wir ehrlich sind, riskieren wir langfristig die Glaubwürdigkeit des Wettbewerbs.“

Der countdown läuft: nächstes fifa-fenster in 42 tagen
Bis zur November-Pause sind es noch sechs Spieltage. Dann stehen Südamerika-Quali und Afrika-Cup-Qualifikation an. Deportivo reist nach Cartagena, während wieder Stammkräfte fehlen dürften. Navarro: „Ich will nicht jammern, aber die Tabelle am Ende wird nicht die wahre Leistung widerspiegeln – sie wird zeigen, wer gerade keine Abgänge hatte.“
Die Lösung liegt auf dem Tisch: Ein einziger Beschluss des Ligaverbands, zwei freie Wochen im Herbst – fertig. Doch solange die Rechtegelder jede Lücke füllen, bleibt Navarros Appell Stimme im Wind. Und Deportivo? Muss weiter mit Notelf antreten, während die Konkurrenz punktet. „Wir laufen uns kaputt, andere lachen“, schließt Navarro. Die Uhr tickt – und mit ihr die Chancen auf den Aufstieg.
