Senegal spielt trotz trophäen-raub: jackson trifft, cas schweigt

Paris, 28. März 2026, 20:47 Uhr. Die Trophäe stand auf der Tribüne, das Stadion tobte, und Nicolas Jackson traf – als hätte die Afrikanische Fußball-Union CAF ihren Rückzieher nie verkündet. Statt sich zu verstecken, feierte Senegal im Stade de France einen 2:0-Sieg gegen Peru und präsentierte stolz den Pokal, der ihnen am Donnerstag offiziell aberkannt wurde.

Die trophäe, die keiner wegnehmen kann

Die Bilder gingen um die Welt: Kapitän Kalidou Koulibaly und Keeper Edouard Mendy tragen den Kelch wie ein Baby, während hinter ihnen 15 000 senegalesische Fans „Nous sommes les champions“ skandieren. Die CAF mag Marokko nachträglich zum Afrika-Cup-Sieger erklärt haben – auf dem Rasen von Paris zählte nur die Realität der eigenen Leute. Verbandspräsident Abdoulaye Fall nannte die Aberkennung einen „administrativen Raubüberfall, der schlimmste in der Geschichte unseres Sports“ und kündigte beim Internationalen Sportgerichtshof CAS ein volles Korruptionsverfahren gegen „mehrere Funktionäre“ an.

Jackson, erst seit Januar an der Säbener Straße, brauchte 41 Minuten, um den Knoten zu platzen. Ein Lupfer aus 14 Metern, halb volley, flach rechts unten – Peru-Keeper Ángelo Campos streckte sich vergeblich. Sieben Minuten nach der Pause legte Ismaila Sarr nach, diesmal war Campos machtlos gegen einen Flachschuss aus Rücklage. Die Tore zählen offiziell, die Trophäe aber steht weiter unter Rechtsvorschrift.

Cas tickt, senegal blockt

Cas tickt, senegal blockt

Der CAS will „zeitnah, aber sorgfältig“ entscheiden, wie Generalsekretär Matthieu Reeb betont. Zeitnah bedeutet: binnen 30 Tagen nach Einspruchseingang. Senegal hat am Mittwoch Akten vorgelegt, darunter Schiedsrichter-Audio, TV-Beweise und eine Stellungnahme des marokkanischen Verbands, der die Trophäe lieber nicht anrühren will. „Es gibt keine rechtliche Pflicht zur Rückgabe von Medaillen oder Pokalen“, sagte Dakar-Anwalt Mame Mbaye Ndiaye. Gemeint ist: Solange der CAS nicht spricht, darf Senegal sie behalten – und zeigen.

Die politische Dimension ist nicht zu überhören. Frankreichs Sportminister Amélie Oudéa-Castéra saß neben Fall auf der Ehrentribüne, verschiedene EU-Parlamentarier twitterten Solidarität mit dem senegalesischen Verband. Die CAF hingegen schweigt öffentlich, intern brodelt es: Etliche westafrikanische Verbände fordern eine Sonder-Tagung, bevor der CAS-Spruch fällt.

Für Jackson ist der Treffer ein persönlicher Befreiungsschlag. Nach wochenlauer Kritik in München wegen mangelnder Chancenverwertung bewies er gegen Peru Kaltschnäuzigkeit – und lieferte Coach Vincent Kompany Argumente für mehr Einsatzzeiten in der Bundesliga. „Ich spiele für mein Land und für meine Familie“, sagte der 24-Jährige, „Pokale oder Papierkram interessieren mich auf dem Platz nicht.“

Ende offen, stimmung geschlossen

Ende offen, stimmung geschlossen

Die Nacht endete mit einem Konzert von Youssou N’Dour auf dem Place de la Concorde. Tausende tanzten mit der Trophäe in der Hand, als wäre sie nie weggewesen. Rechtlich steht sie auf Bewährung, sportlich hat Senegal gezeigt, dass es auch ohne offiziellen Titel gewinnen kann. Wann der CAS entscheidet, bleibt offen. Fest steht nur: Solange der Kelch in Dakar steht, wird gefeiert – und Nicolas Jackson trifft weiter.