Rippenbruch! vaduz verliert abwehrchef berisha – challenge-league-aus kommt zur unzeit
Liridon Berisha atmete tief, dann krachte es. David Acquahs Ellbogen traf die linke Rippe des FC-Vaduz-Innenverteidigers, 80 Millionen Fans im Schweizer TV hielten kurz den Atem an. Fertig war’s. Berisha taumelte, fasste sich an die Seite, signalisierte sofort: raus. Die Pause verbrachte er im Stadionspital St. Gallen, am Montagabend bestätigte der Klub das, was alle befürchtet hatten: Rippenbruch. Kein Einsatz für mindestens vier Wochen – mitten im Aufstiegsrennen.
Wie ein domino: vaduz’ abwehr verliert ihre schaltzentrale
Der 29-Jährige war dieses Jahr kaum noch zu schaffen. 25 von 26 Spielen absolvierte er durchgehend, erzielte drei Tore, organisierte die Viererkette wie ein Dirigent. Nun fehlt plötzlich der Mann, der 84 % aller Zweikämpfe gewinnt und der in der gegnerischen Hälfte so oft auftaucht wie ein liberoartiger Sechser. Trainer Mario Frick muss umplanen – und das gegen Aufstiegskonkurrenten wie Thun oder Bellinzona.
Die Szene selbst war klassisch für die Challenge League: Acquah wollte klären, Berisha grätschen. Kontakt unvermeidbar, der Schiedsrichter ließ weiterlaufen, Vaduz konterte, doch der Verteidiger blieb liegen. Kurz darauf wechselte Frick ihn aus. Was folgte, war ein 1:1, das wie ein Pyrrhussieg aussah: Punktgewinn, aber Verlust der Abwehrchef-Identität.

Die zahlen lügen nicht: ohne berisha kassierte vaduz in der vorsaison 1,7 tore pro spiel mehr
Statistiker des Liechtensteiner Verbandes haben nachgerechnet: In den letzten beiden Saisons kam Vaduz ohne Berisha auf 1,73 Gegentore pro Partie, mit ihm nur 1,05. Die Tordifferenz kletterte von +2 auf –8. Ein Wert, der Frick die Schlaflosigkeit rauben könnte, denn die Espen stehen einen Punkt hinter Vaduz und haben ein Nachholspiel in der Hinterhand.
Am Freitag geht’s gegen Wil, ohne ihre „Luftschloss-Mauer“. Ersatzkandidaten? Leon-Robin Keller ist 19, talentiert, aber mit gerade einmal 112 Minuten Saisonspielzeit. Dejan Djokovic kann aushelfen, steht aber selbst mit Adduktorenproblemen auf der Warnliste. Frick wird wohl die Dreierkette wählen und mit einem Fünfer-Plus-Spielaufbau arbeiten – ein Systemwechsel mitten im Sprint.
Für Berisha selbst ist der Zeitpunkt brutal. Gerade hatte er Gespräche mit einem Zweitligisten aus Deutschland geführt, ein Wechsel im Sommer lag in der Luft. Verletzungen wie diese verändern Marktwerte über Nacht. Sein Berater will die Gespräche dennoch fortsetzen, doch die Verhandlungsmasse hat sich verflüchtigt.

Die meister-frage: wer stoppt jetzt den thuner express?
Während Vaduz um seine Innenverteidigung bangt, hat Thun am Wochenende wieder zugeschlagen: 3:1 in Aarau, achter Sieg in Serie. Die Berner Oberländer sind seit 14 Partien ungeschlagen, der Vorsprung auf Platz drei – der ersten Playoff-Position – beträgt bereits sieben Punkte. Ohne Berishas Organisation wird es für Vaduz schwer, diese Lücke zu schließen. Die nächsten drei Gegner: Wil (H), Thun (A), Bellinzona (H). Ein Programm, das von Frick als „Finalsprint mit Handbremse“ bezeichnet wird.
Am Dienstagvormittag trainierte Vaduz erstmals ohne den Kosovo-Albaner. Frick stellte die Übungseinheiten um, ließ die Mannschaft in Kleingruppen defensive Standards repetieren. Die Stimmung: gedämpft, aber lautstark. „Wir müssen kollektiv die Lücke stopfen“, sagte Kapitän Manuel Sutter. „Liridon fehlt als Leader, aber er wird uns via Videoanalyse weiterhelfen.“
Der FC Vaduz hat in dieser Saison schon bewiesen, dass er Krisen wegsteckt: den Pokalsieg gegen Lugano, die Aufholjagd in Schaffhausen. Doch diese Verletzung kommt zur Unzeit. Die Challenge League ist kein Ponyhof, hier entscheiden 0,2 Punkte pro Spieltag über Auf- oder Abstieg. Wer die Meisterfrage stellt, muss Antworten liefern – und die fällt gerade schwerer aus als gedacht.
