Ridle baku packt aus: so will er nagelsmann für die wm überzeugen

Ridle Baku spult nach dem Abpfiff die Jacuzzi-Treppe runter, atmet durch und spricht schon fast wie ein Athletik-Papst: „Wenn man hart arbeitet, erhöht man die Wahrscheinlichkeit, erfolgreich zu sein.“ Der Satz klingt nach Motivationskatalog, ist aber Programm. Seit dem Sommer mischt der 27-Jährige wieder im DFB-Trikot mit, und nun will er den letzten Sprung schaffen: auf die WM-Liste 2026.

Der Rechtsverteidiger lieferte in den vergangenen beiden Länderspielen direkt eine Torbeteiligung ab. Das reicht, um Nagelsmanns Aufmerksamkeit zu wecken – aber nicht, um sich sicher zu fühlen. Denn auf seiner Position thront Joshua Kimmich, Kapitän, Dauerbrenner, Systemgeist. Baku weiß: Er muss mehr bieten als nur ein paar Sprintwerte.

„Jeder junge träumt davon“ – die wm-kalkulation

Im Interview mit Sport1 legt Baku offen, wie er sich die Reise nach Nordamerika vorstellt: „Es gibt nichts Größeres, als eine WM für sein Land zu spielen. Das wäre einmalig.“ Die Formulierung klingt pathetisch, ist aber ausnahmsweise kein Standard-Sound. Denn hinter der Aussage steckt ein Jahr voller Extraläufe, private Athletik-Camps in Marbella und ein Dauerdialog mit den Co-Trainern des DFB.

Die Konkurrenz ist brutal. Neben Kimmich buhlen Benjamin Henrichs, Josha Vagnoman und jetzt auch Baku um maximal zwei Plätze. Baku versucht, sich aus der Mathematik zu versteifen: „Am Ende geht es immer um das Team.“ Gemeint: Auch ein Kurzeinsatz zählt, ein Wechsel, der die Partie kippt. Nagelsmann liebt solche Stories. 2014 wurde Shkodran Mustafi nach 14 Bundesliga-Minuten Weltmeister.

Leipzig als schaltstelle

Leipzig als schaltstelle

Der Umzug von Wolfsburg nach Leipzig war kein Zufall. RB betreibt Fitnessarbeit auf Spitzenniveau, die Daten fließen direkt an den DFB. Baku schwärmt von der „Akademie“, in der er mittlerweile eine kleine Jacuzzi-Fraktion anführt: Nedeljkovic, Gruda, Maksimovic – alles Sprinter mit Ball. „Wir quatschen über Taktik, aber auch über Serien“, sagt Baku. Der Jacuzzi ist sein War-Room, nur mit Badekappe statt Taktikboard.

Die Zahlen sprechen für ihn: 32 Pflichtspiele in dieser Saison, 2 700 Minuten, nur einmal ausgewechselt. Sein Sprintwert (35,2 km/h) liegt in der Bundesliga-Spitzengruppe, die Zweikampfquote (56 %) ist besser als die von Henrichs. Die Fußball-Bundesliga twittert regelmäßig seine Heatmaps, die aussahen wie neonfarbene Flügel.

Klopp, padel und die ironie des sports

Klopp, padel und die ironie des sports

Nebenbei schlug er sich mit Jürgen Klopp auf dem Padel-Platz. „Er ist besser, als er gibt“, lacht Baku. Das Duell gewann er nur dank einer starken Partnerin – kleine Metapher auf seine Situation: Auch die WM-Chance bekommt nur, wer sich ins richtige Doppel verbiegt. Klopp wiederum prophezeite ihm: „Wenn du so weitermachst, nimmt dich Julian mit.“ Ein Satz, der in WhatsApp-Gruppen der Leipziger Kabine mittlerweile Kultstatus hat.

Die Entscheidung fällt im Mai, wenn Nagelsmann seinen 26-Mann-Kader verkündet. Bis dahin zählt jeder Trainingstag, jede PR-Session, jede TV-Minute. Baku hat seinen Plan: „Ich will nicht betteln, ich will überzeugen.“ Dafür schaltet er morgens um sechs das Laufband an, abends hockt er im Eisbad. Die WM ist kein Traum mehr, sondern ein Projekt mit Excel-Liste.

Ob es reicht? Die Chancen stehen 50:50. Aber Baku hat schon einmal vier Jahre auf diesen Moment gearbeitet. Einen zweiten Lauf würde er auch noch schaffen. Und wenn nicht, bleibt immerhin der Jacuzzi – und die Gewissheit, sich selbst nie einen Millimeter geschenkt zu haben.