Hsg wetzlar dreht 15:11-rückstand und schiebt sich aus dem keller
16 Minuten brauchte HSG Wetzlar, um das Mindener Bollwerk zu sprengen. Beim 33:31 lagen die Hessen trotz 11:15-Pausendefizit längst auf Kurs Richtung Rettung – und ließen GWD Minden erstmals die Abstiegs-Schlinge spüren.
Der Plan war klar: frühes Pressing, schnelle Gegenstöße, Kreisläufer Malte Semisch aus dem Rennen nehmen. Doch die 5:1-Deckung der Gäste zerfaserte in der ersten Hälfte wie nasses Papier. „Wir sind nicht gut ins Spiel gekommen“, sagte Coach Rúnar Sigtryggsson und schob die Schuld auf sich selbst. Sein Team fand keine Antwort auf Mindens Tempo, Semisch sammelbegriff sieben seiner zwölf Treffer noch vor der Pause.
Anadin suljakovic wird zur zündschnur
Die warf der eingewechselte Anadin Suljakovic. Der 23-Jährige schnitt die Kreuzpasswege ab, trieb den Ball nach vorn und eröffnete Räume, die zuvor zugemauert schienen. Dominik Mappes nutzte sie aus – 10-mal. „Wir haben in der zweiten Halbzeit 22 Tore geworfen. Das ist überragend“, sagte Mappes und wischte sich Schweiß aus dem Bart. Die Zahl spricht für sich: Noch kein Bundesliga-Team hatte in einem Durchgang mehr Treffer gegen Minden erzielt.
Auch Andreas Palicka wurde zur Waffe. Der Schwede stand 20 Minuten, kassierte nur fünf Gegentore und entschärfte den entscheidenden Weck-Wurf von Alexander Weck bei 30:29. Im Gegenzug traf Niklas Theiß von rechts außen – ein Positionwechsel, den Sigtryggsson aus der Trickkiste zauberte. Der Isländer wollte den letzten Nerv rauben. Das gelang.

Tabellen-konstrukt bröckelt
Mit dem zweiten Sieg nacheinander klettert Wetzlar auf zehn Punkte. Minden bleibt bei zwölf, der Bergische HC hat neun – und spielt erst am Sonntag. Die Schlagdistanz ist erreicht. „Bei einer Niederlage hätte sich eine große Lücke aufgetan“, sagte Sigtryggsson. Die ist jetzt ein Spalt. Die HSG atmet auf, Minden droht der freie Fall.
Am Ende standen sich zwei Mannschaften gegenüber, die dieselbe Angst teilen – nur eine konnte sie für 60 Minuten ablegen. Wetzlar hat wieder Fahrt aufgenommen, Minden muss sich fragen, ob die Saison nun endgültig kippt. Die Antwort kommt am 29. Spieltag – und sie lautet: Alles offen. Aber mit einem neuen Hauptdarsteller im Keller.
