Raimund boykottiert wind-chaos in oslo – prevc verschenkt kristallkugel

Philipp Raimund dreht um und geht. Kein Sprung, kein Risiko, kein Punkt. Der Wind peitscht über den Holmenkollen, die Schanze wird zur Lotterie, und der deutsche Top-Mann packt heimlich seine Ski ein. Seine Botschaft: Ich springe nicht, wenn die Natur den Sport verhöhnt.

Die schanze wurde zur würfelarena

Was sich am Sonntagnachmittag in Oslo abspielte, war kein Wettkampf mehr – es war ein Balanceakt auf 140 Metern Gefährdung. Böen mit 50 km/h schlagen in die Anlage, die Flugkurven der Springer gleichen Seiltänzerakten. Felix Hoffmann kämpft sich nach 95 Metern knapp unten, schüttelt im Auslauf den Kopf: »Der Ski machte, was er wollte«. Gregor Deschwandem, erst 24 Stunden zuvor als ältester Erst- Sieger gefeiert, rauscht bei 116,5 Metern ins Leere und fliegt raus aus der K.o.-Runde. »Da habe ich null Einfluss«, knurrt der Schweiz.

Auch die Großnamen zittern: Johann Andre Forfang rutscht seitlich weg, Daniel Tschofenig zündet zu spät. Die Jury verzögert, stoppt, diskutiert – und lässt trotzdem starten. Bis Philipp Raimund den Stecker zieht. »Der Athlet muss wissen, ob er die Bedingungen handeln kann«, verteidigt Bundestrainer Stefan Horngacher den Boykott. Respekt statt Rüffel. Die Entscheidung wirkt wie ein Seitenhieb auf den Weltverband, der Sicherheit und Fairness gern hinter TV-Termine schiebt.

Japan profitiert, prevc patzt

Japan profitiert, prevc patzt

Die Wertung zählt nur einen Durchgang – und den gewinnt Tomofumi Naito. Der 23-jährige Japaner fliegt 131,5 Meter weit, kassiert seinen ersten Weltcup-Sieg und kann es selbst kaum fassen. Hinter ihm platzen die Favoriten. Domen Prevc, sonst längst auf dem Podest, landet nur auf Rang neun. Die Kristallkugel rückt in weite Ferne, die Saison-Krimi bleibt offen.

Deutschland liefert sich im Mittelfeld ein internes Duell: Karl Geiger wird Elfter vor Andreas Wellinger (Zwölfter). Ben Bayer rutscht als 25. gerade noch in die Punkteränge. Die Konstanz fehlt, die Sprünge wirken wie Glücksspiel – und genau das ist das Problem. Wenn Windlotterie über Können entscheidet, verliert der Sport seine Seele.

Die Jury bricht den Bewerb ab, gibt den Athleten recht – und verspricht, die Termine künftig windgeschützter zu legen. Ein Versprechen, das wir schon zu oft gehört haben. Oslo bleibt als warnendes Beispiel: Sieger ist hier nur, wer mutig genug ist, nicht zu springen.