Pogacar räumt sanremo ab – jetzt jagt er merckx und den himmel
Tadej Pogacar hat Mailand–Sanremo in einer Gala-Solo vernichtet. 110. Profisieg, 11. Monument – und trotzdem bleibt die Luft nach oben dünner, als viele denken. Die Hölle von Roubaix, die Vuelta und Olympia 2028: Drei fehlende Krönungen, die ihn vom großen Volltreffer zum Mythos katapultieren könnten.
Die Zahlen sind schon jetzt absurd. Mit 27 Jahren teilt er sich Rang zwei der ewigen Monument-Jäger mit Roger De Vlaeminck, nur Eddy Merckx blickt von 19 Triumphen herab. Doch Pogacar jagt nicht Statistiken, er jagt Geschichten. Und die nächste Kapitelüberschrift steht schon fest: 12. April, Paris–Roubaix.
Die pflaster-lücke – warum roubaix nur noch formsache ist
2025 stürzte er auf der Carrefour de l’Arbre, sprintete trotzdem noch auf Platz zwei – ein Bein voller Splitter, ein Kopf voller Wut. Seit Februar testet er die Kopfstein-Sektoren bei Wind und Regen, UAE-Techniker bauten eine 3D-gedruckte Gabel mit integriertem Dämpfungsmodul. Sein Rennprogramm: erst Roubaix, dann Ardennen, dann Ruhe. Kein Giro, keine Tour-Vorbereitung. Die Botschaft: „Ich will dieses eine Rennen, und ich will es perfekt.“
In Lüttich–Bastogne–Lüttich fehlt ihm nur noch ein Sieg, um Merckx’ Rekord von fünf Etappen zu egalisieren. Die Lombardei hat er bereits fünf Mal gewonnen – Rekord. Doch Roubaix ist die letzte offene Wunde. Schafft er den Slam, wäre er der erste Fahrer seit 1976, der alle fünf Monumente auf der Habenseite hat. Merckx schaffte das nie.

Vuelta & olympia – die versteckten prestigeprojekte
Die Spanien-Rundfahrt blieb bisher das Stiefkind seiner Karriere. Einmal gestartet 2019, direkt Podest. Teamchef Matxin bestätigt: „Wenn Tadej will, fährt er 2026 Vuelta – und gewinnt.“ Der Plan: Tour-Sieg Nummer fünf 2025, dann historisches Double 2026. Fünf Tour-Titel würden ihn mit Merckx, Anquetil, Hinault und Indurain gleichstellen. Der sechste, 2027, wäre der Alleingang.
Olympia 2028 in Los Angeles könnte die absurdeste Bühne werden. 5000 Höhenmeter auf 260 km – ein Gebirgs-WM-Rennen im August. Der Kurs wird laut IOC-Blueprint „höchste Dauerbelastung der Geschichte“. Pogacar sagt intern: „Wenn ich fit bin, fahre ich. Gold fehlt noch im Puzzle.“

Merckx’ schatten – wo der abstand wirklich brummt
34 Tour-Etappen Siege stehen 21. 64 Grand-Tour-Etappen stehen 30. Und die absoluten Profisiege? Merckx’ 445 (offiziell anerkannt) gegen Pogacars 110. Selbst wenn er bis 2030 jedes Jahr 20 Siege sammelt, bliebe er 100 dahinter. Aber: Merckx fuhr bis 33. Pogacar kann bis 32 – Vertrag bis 2030, danach Schotten dicht. Die Debatte wird nie fair sein, sie wird hitzig bleiben.
Die Frage ist nicht mehr, ob er der Beste aller Zeiten wird. Die Frage ist, ob er diejenige Ära definiert, in der das Konzept „Beste“ neu verhandelt wird. Noch 45 Monate, dann wissen wir, ob der slowenische Blitz Merckx’ Silhouette auslöscht oder nur eine neue gewaltige Figur neben ihm auftellt.
Bis dahin zählt nur eins: Roubaix, 12. April, 15 Uhr. Wenn er dort durchs Velodrom sprintet, schlägt nicht nur ein Rad – es schlägt eine ganze Sportart in den nächsten Zeitabschnitt.
