Rabiot zerstört milan: zwischen tor und torschuss steht der bvb-scout

Adrien Rabiot war nicht einfach gut – er war die lebende Erinnerung daran, warum Juventus ihn trotz sturer Gehaltsforderungen nicht ziehen lässt. 60 Minuten lang diktierte der Franzose das Tempo im Milan-Turin, schob die Gäste mit einem Katzensprung-Angriff in Führung und ließ Stefano Pioli vor der Pause schon wie einen Mann aussehen, der weiß, dass sein Koffer gepackt ist.

Die Partie endete 1:1, doch die Wahrheit steht in den Bewegungsprofilen. Rabiot gewann 13 von 15 Zweikämpfen, spielte 47 Pässe bei 94-prozentiger Erfolgsquote und setzte den einzigen Torschuss der ersten Hälfte zum 0:1 in den Winkel. Kein Mitspieler kam auch nur annähernd an diese Dichte heran.

Der eine moment, der milan die luft nahm

Die 27. Minute: Rabiot presst Rafael Leão in die eigene Hälfte, zieht das Leder mit einem Körpertäuschungstrick an Tonali vorbei und leitet über Gineitis das Kombinationsspiel ein, das den Führungstreffer bedeutet. Drei Sekunden, in denen Juve wie ein Boxer wirkt, der seine Gegner vorher schon mal ausgezählt hat.

Übrigens: Gineitis lieferte sich in dieser Szene ein Lehrstück in puncto Positionsspiel. Der Grieche rückte so perfekt zwischen die Milan-Zentrale, dass Kalulu ihn erst sah, als der Ball schon durch die Schnittstelle rauschte. Ein einziges Mal ließ sich der 21-Jährige von der Eigendynamik mitreißen – und wurde sofort belohnt.

Für Milan war das der Doppelschlag: nicht nur das Gegentor, sondern die Erkenntnis, dass Juve mit Ball und ohne Ball eine halbe Stunde lang die Kontrolle übernahm. Die Rossoneri liefen nach, aber sie liefen ständig falsch.

Füllkrug: ein stürmer, der nicht auftauchte

Füllkrug: ein stürmer, der nicht auftauchte

Während die Franzosen glänzten, blieb Niclas Füllkrug die große Leerstelle. Der deutsche Nationalspieler feierte sein Comeback in der Startelf – und verschwand darin. 26 Ballkontakte, kein Torschuss, 11 verlorene Duelle. Die Zahlen sind hart, das Gefühl noch härter: Füllkrug bewegte sich wie ein Gast, der zur falschen Party gekommen ist.

Juventus-Trainer Allegri hatte den 30-Jährigen mit einer Dreierkette aus Bremer, Danilo und Rugani eingekreist. Jeder lange Ball wurde sofort doppelt gedeckelt, jeder zweite Kontakt sofort abgekocht. Füllkrug schaffte es nicht, seine 1,89 m in gefährliche Räume zu verfrachten. Stattdessen lief er den Abwehrreihen stets einen Schritt hinterher – und wurde in der 64. Minute ausgewechselt.

Die Konsequenz: Juve spielt weiter mit Bremer als Libero, Milan muss sich fragen, ob Olivier Giroud in Topform nicht doch die stabilere Option ist. Für Füllkrug war es ein Abend, der die eigene Marktlage schwächt. Wer 90 Minuten unsichtbar bleibt, darf sich nicht wundern, wenn der BVB-Scout das Handy wieder einsteckt.

Was das remis für den meisterkampf bedeutet

Was das remis für den meisterkampf bedeutet

Milan bleibt Dritter, Juve rückt auf Platz zwei vor – und die Lücke zu Spitzenreiter Napoli schmilzt auf fünf Punkte. Noch wichtiger: Die Alte Dame hat ihr Selbstvertrauen zurück. Drei Spiele ohne Sieg waren der Preis für eine Phase, in der Dusan Vlahovic mit Adduktorenproblemen und Paul Pogba mit suspendierter Existenz ausfielen. Jetzt kehrt langsam Normalität ein.

Die nächsten fünf Spiele entscheiden, ob Juve im Mai noch um den Titel mitredet. Gegen Lecce, Spezia und Verona folgen direkt drei Aufsteiger-Teams. Holt Allegri dort neun Punkte, darf er am 23. Spieltag in Rom aufschlagen – und eventuell auch wieder über Rabiot sprechen, dessen Vertrag im Sommer ausläuft.

Milan hingegen muss sich beeilen. Pioli experimentierte in dieser Saison mit 19 verschiedenen Startaufstellungen, doch Stabilität sieht anders aus. Die Defensive kassierte in den letzten acht Pflichtspielen 13 Gegentore. Gegen Juve rettete Mike Maignan mit zwei Reflexen vor der Pause das 0:2, danach reichte nur noch Leão’s Solo zum 1:1. Das ist zu wenig für einen Titelanwärter.

Die Tabellenlage lügt nicht: Wer solche individuellen Brillanten wie Rabiot besitzt, kann auch mit bescheidenem Ballbesitz Meister werden. Wer dagegen auf einen Stürmer setzt, der nicht auftaucht, muss am Ende um die Champions-League-Plätze zittern. Für Milan tickt jetzt die Uhr – und für Füllkrug auch.