Remiro pariert 19 schüsse – doch ein einziger macht ihm die null kaputt
Álex Remiro stand 90 Minuten lang im Kugelregen von Sevilla, parierte, flog, blockte – und dennoch ging die vierte Zu-Null-Saisonpremiere in der 46. Spielminute in Rauch auf. Alexis Sánches’ Flachschuss aus zwölf Metern war das einzige Loch in einem sonst dichten Drahtgeflecht, das 19 Gegentreffer verhinderte.
Die erste halbzeit: ein dauercheck ohne auszahlung
Vom Anstoß weg feuerte Sevilla fünf Schüsse innerhalb der ersten zehn Minuten. Ejukes Drop-Schuss aus kurzer Distanz, Maupays zentraler Hammer, Gudeljs Nachschuss – Remiro reagierte jeweils mit gestreckten Fingerspitzen oder komplett ausgefahrenem Oberkörper. Die Real-Defensive schaltete sich erst nach 20 Minuten ein, doch kaum war der Druck weg, zog Vargas erneut ab. Remiro streckte sich bis an die Grenze der Physik, klatschte die Kugel an die Lattenunterkante. Kurz vor der Pause setzte Castrín noch einen Ellenbogen nach – unnötig, aber symptomatisch für die Andalusier-Frustration.
53 Gegentore hatte der Navarrese vor diesem Spiel bereits kassiert, Liga-Schlußlicht unter den etatmäßigen Nummer eins. Die Statistik nagt an ihm, das wissen auch die Mitspieler. Deshalb die kurze Behandlungspause Mitte der ersten Hälfte: Atem holen, Tempo rausnehmen, Kopf freikriegen.

Die zweite halbzeit: ein schuss, zwei gesichter
Nach dem Seitenwechsel kam Real tatsächlich besser heraus, Oyarzabal und Zakharyan hätten fast das Führungstor erzielt. Doch in der 46. Minute prallte ein langer Sevilla-Ball vor den Fünfer, wo Alexis Sánchez sich innen vorbei geschlichen hatte. Volley, flach, links unten – Remiro sah die Richtung, kam noch mit den Handballen dran, aber die Power war zu viel. 1:0, Null-Serie geplatzt.
Was folgte, war ein Selbstlauf der Emotionen. Agoumé schob zwar zum vermeintlichen 2:0 ein, doch der VAR hob wegen knappen Abseits auf. Vargas scheiterte erneut an Remiro, diesmal mit einem Lupfer. Und in der 84. Minute riss der Keeper einen Flanken-Boomer von Jesús Navas herunter, als wäre es ein Trainingsschuss. Die Zahlen am Ende: acht Paraden, sieben Blocks, zwei Kreuze – und trotzdem wieder ein Gegentor auf der Haben-Seite.
Die Liga ist für ihn zur Geduldsprobe verkommen. 19 Schüsse, 53 Gegentore, nur drei Clean Sheets – die Ausbeute des bisherigen Saison-Halbjahrs. Remiro selbst wirkte nach Abpfiff nicht frustriert, sondern leer gestreckt. „Ich mache meinen Job. Wenn der Ball rein geht, geht er rein“, sagte er kurz und trat in den Katakomben ab. Die Zahlen sprechen für sich – und sie sagen, dass selachische Reaktionen alleine nicht reichen, wenn die Vorderleute nicht mitziehen.
