Nagelsmann zittert vor ghana: das dfb-team muss heute liefern

18.000 Fans in Stuttgart, eine ARD-Primetime-Slot und ein Gegner, der nach dem 1:5 gegen Österreich die Rechnung mit der Nationalelf verhöhnt: Für Julian Nagelsmann wird der zweite WM-Test binnen vier Tagen zur Schicksalsfrage.

Der 3:2-Sieg gegen die Schweiz maskierte mehr, als er offenbarte. Florian Wirtz glänzte, klar. Doch hinten riss die Kette dreimal, die Sechser-Raute war ein Flickenteppich, und vorne verschoss Kai Havertz die Vier-Richtige-Gelegenheit, die ihn bei Turnieren sonst zurückwirft. Gegen Ghana droht dieselbe Mischung aus Glanz und Katastrophe – nur diesmal spielt der Gegner mit dem Rücken zur Wand.

Ghana will sich mit deutschem blut reinwaschen

Die Black Stars reisen mit dem Mut der Verzweiflung an. Coach Otto Addo ließ seine Spieler nach dem Debakel gegen Österreich bis 3 Uhr morgens Video-Notizen schnippen, dann um 7 Uhr Laktattests. Die Botschaft: Wer nicht rennt, fliegt aus dem Kader. Thomas Partey wird trotz Oberschenkel-Protesten von der medizinischen Abteilung freigegeben, Mohammed Kudus schwört, „die Deutschen zu überrennen, bevor sie den Kopf heben“. Das klingt nach PR, aber hinter den Kulissen flüstern Scouts, dass Ghana in Stuttgart mit einer Mischung aus Manndeckung und Konterfußball plant – genau die Rezeptur, die die DFB-Abwehr zuletzt wackeln ließ.

Nagelsmann hat die Zahlen im Kopf: 17 Ballverluste im Aufbau gegen die Schweiz, drei Großchancen nach eigenen Fehlpässen. „Wenn wir so starten, bekommen wir in der WM-Gruppenphase ein Problem“, sagte er nach dem Spiel – und verschickte intern eine WhatsApp-Kette mit den Worten „Risikobegrenzung beginnt im Mittelfeld“. Für heute plant er zwei personelle Korrekturen: Emre Can rückt für den angeschlagenen Robert Andrich in die Sechser-Position, Leroy Sané soll auf der rechten Seite die vertikale Lücke schließen, die Jonas Hofmann gegen die Schweiz offen ließ.

20:45 Uhr, ard – aber die echte uhr tickt im kabinengang

20:45 Uhr, ard – aber die echte uhr tickt im kabinengang

Die MHP-Arena verkaufte ihre letzte Karte 47 Minuten nach Freischaltung. Draußen kursieren schwarz-rote T-Shirts mit dem Aufdruck „Katar, wir kommen“ – doch drinnen schwirrt die Angst, dass das Team wieder so startet wie am Freitag: hoch, aber wackelig. Die ARD sendet ab 20:15 Uhr, Alexander Bommes kommentiert, Sami Khedira liefert zwischen den Halbzeiten Einblicke aus der Kabine. Parallel läuft bei Sportschau.de ein Stream ohne Paywall, Eurosport.de nimmt das Spiel in einen Liveticker auf, der allein in der ersten Halbzeit 140.000 Zugriffe verzeichnet.

Die Statistik lügt nicht: Deutschland gewann die letzten fünf Testspiele im eigenen Land, zuletzt gab es 2018 eine Heimniederlage. Ghana holte auswärts gegen europäische Top-Teams nur eines der letzten neun Spiele – doch genau das macht sie gefährlich. „Sie haben nichts zu verlieren“, sagt Manuel Neuer, der heute Kapitän bleibt, obwohl Joshua Kimmich wieder fit ist. „Und wir haben alles zu verlieren.“

Ein sieg reicht nicht – es muss ein statement her

Ein sieg reicht nicht – es muss ein statement her

Nagelsmann will keine erneute Sie-geben-uns-die-Krone-Show. Er will eine 0:0-Phase durchspielen, will sehen, wie seine Mannschaft reagiert, wenn der Gegner tief steht. Er will wissen, ob Jamal Musiala auch dann noch dribbelt, wenn drei Gegner an ihm kleben. Er will wissen, ob Nico Schlotterbeck die Linie hält, wenn Kudus mit 35 km/h auf ihn zurasst. Und er will wissen, ob Timo Werner die Kugel im Strafraum auch dann versenkt, wenn die ganze Nation guckt.

Die Antwort kommt ab 20:45 Uhr. Danach steht fest, ob die DFB-Elf mit Selbstvertrauen nach Katar reist – oder mit dem Zittern im Gepäck. Die Uhr tickt. Und Ghana ist hungrig.