Michelbrink schlägt ein wie eine bombe: debüt für litauen, hertha und cottbus zittern
Lukas Michelbrink war noch am Boden, weil der Punkt gegen Ulm nur ein 1:1 blieb. Dann klingelte das Handy, und plötzlich war der 20-Jährige nicht mehr der Junge von gestern, sondern A-Nationalspieler. Donnerstag, 45. Minute, Stadionul Zimbru in Chișinău: Coach Edgaras Jankauskas winkt ihn rein. Fertig. Weltklasse.
Der berliner mit litauischer seele
Seine Mutter stammt aus Kaunas, also war die Einbürgerung nur Formsache. Doch dass es so schnell geht, hat selbst Michelbrink überrascht. 22 Drittliga-Spiele, vier Assists, ein Notenschnitt von 3,38 – und das trotz eines kompletten Augusts auf der Reha-Bank wegen eines umknickten Sprunggelenks. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Der Mann ist kein Talent mehr, er ist Ergebnis.
Claus-Dieter Wollitz hatte ihn schon vor Abflug zur Nationalmannschaft in Schutz genommen: „Das hat er sich verdient, erspielt und erarbeitet.“ Der Satz klingt nach Vater, nicht nach Coach. Denn Michelbrink war nicht immer der Liebling der Leih-Clubs. 2017 wechselte er von Berolina Stralau zur Hertha, schaffte den Sprung in die U23, aber die Profiluft blieb aus. Die Lösung: Cottbus, 3. Liga, Dauer-Einsatz, Schlamm im Gesicht statt VIP-Himmel.

Hertha plant, cottbus träumt
Vertrag in Berlin bis 2027, aber die Konkurrenz im defensiven Mittelfeld wird weniger. Kennet Eichhorn könnte für Ablöse gehen, Diego Demmes Vertrag läuft aus. Plötzlich ist ein Platz frei, den Michelbrink sich mit Hingabe erkämpfen könnte. Sportdirektor Benjamin Weber hält die Leitung nach Cottbus warm, sollte es mit dem Aufstieg klappen. Die Lausitzer winken bereits: ein weiteres Leihjahr, fixe Buy-Option, Aufstiegsprämie. Beide Seiten telefonieren, beide wissen: Der Junge hat sich verselbständigt.
Am Sonntag steht das nächste Länderspiel an, Litauen gegen Georgien in Kaunas. Michelbrink will nachlegen. Wer ihm zuhört, merkt: Er spricht nicht mehr wie ein Berliner Jugendspieler, sondern wie jemand, der gelernt hat, dass Karrieren aus seltenen Momenten bestehen. Ein Flug, ein Wechsel, ein Debüt. Und vielleicht schon bald ein Aufstieg – ob mit Cottbus oder eben zurück in die Hauptstadt. Die Zukunft ist offen, aber sie gehört ihm.
