Marburger sprintet auf silber – pelkums paralympics-held liefert ersten edelmetall-knaller

Sebastian Marburger hat dem deutschen Para-Team die erste Medaille beschert – und das gleich in der Königsdisziplin. Der 28-Jährige aus dem Skiclub Oberstdorf setzte sich im Sprint der Stehenden-Klasse mit 2,7 Sekunden Rückstand auf den Weißrussen Raman Svirydzenka durch. Bronze ging an den Franzosen Benjamin Daviet (+6,8). Damit springt für Deutschland nach 20 Jahren wieder ein Langlauf-Podest bei den Winterspielen heraus.

Die Sekunden nach dem Ziel waren kurz, aber intensiv. Marburger stieß die Stöcke in die Luft, sackte auf die Knie – und wusste: Er hat Geschichte geschrieben. „Ich bin leer, aber glücklich“, sagte er mit zitternder Stimme. „Das war ein Sprint auf Messers Schneide.“

Halbfinale liefert vorgeschmack

Bereits im Vorlauf hatte Marburger mit der zweitschnellsten Zeit auf sich aufmerksam gemacht. Die Bahn in Tesero ist technisch anspruchsvoll: zwei steile Anstiege, eine Haarnadelkurve, dann der flache Zielhang. „Wenn du dort eine Sekunde verschenkst, bekommst du sie nicht mehr zurück“, erklärte ARD-Experte Julian Wiegmann live. Der gebürtige Bayer nutzte die leicht fallenden Passagen, um Schwung zu tanken, und setzte im Finish noch einmal 180 Schritte pro Minute.

Die Taktik ging auf. Im Finale ließ Marburger Svirydzenka zwar nicht mehr aus dem Blickfeld, doch die Schlussphase war eine Frage der Kraftreserven. „Ich habe meine Beine bis zur Taubengröße gespürt“, sagte er lachend. Die Silbermedaille wiegt 128 Gramm – für ihn fühlt sie sich wie ein Berg an.

Deutsches team erstmals seit 2006 wieder auf dem podest

Deutsches team erstmals seit 2006 wieder auf dem podest

Der letzte deutsche Langlauf-Podestplatz bei Paralympics datiert von Turin 2006. Seither war der Verband stets knapp vorbei gescheert. Skisportdirektor Jochen Behle spricht von einem „Generationenwechsel, der endlich Früchte trägt“. Mit Marburger steht nun ein Athlet bereit, der sowohl Sprint als auch Distanz beherrscht. In den kommenden Tagen geht es über 10 km klassisch und 20 km frei – Chancen auf Nachschlag sind realistisch.

Die Stimmung im Lager ist entsprechend euphorisch. „Wir haben die Kategorie ‚stehend‘ lange unterschätzt“, sagt Bundestrainer Klaus Faust. „Sebastian beweist, dass auch komplette Beinprothesen keine Barriere sein müssen.“

Tv-tipp: die jagd geht weiter

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Wer Marburgers nächsten Anlauf nicht verpassen will, sollte am Freitag ab 09:40 Uhr einschalten. Dann stehen die 10 km klassisch an – live in der ARD und im Stream auf sportschau.de. Die Konkurrenz schläft nicht: Mit Svirydzenka und Daviet liegen zwei Gegner bereits in Schlagdistanz. Marburger selbst will sich nicht auf Silber ausruhen: „Ich kenne meine Chancen. Und ich kenne meine Schmerzen. Beide begleiten mich bis zur Ziellinie.“