Kreuzband-exitus: werder bremen verliert topp – und damit den letzten sturmhammer
Ein harmloser Donnerstagvormittag im Weser-Stadion. 70 Minuten Testspiel gegen die U 23, 4:1 für die Profis, dann ein Schrei, der bis in die Pressekonferenz hallt. Keke Topp bleibt liegen, fasst sich ans linke Knie, weiß sofort: „Das wars.“ Kurz nach 15 Uhr bestätigt der MRT-Befund das Schlimmste – vorderes Kreuzband komplett gerissen, Saison ende, Traum vom Abstiegs-Kniebeben begraben.
Der sturm, der schon fast verschwunden war
Werder hatte gerade erst angefangen, wieder vorne zu stehen. Mit Topp als Joker, als Aufputschmittel in den letzten zwanzig Minuten. 20 Bundesliga-Einsätze, 13 Mal eingewechselt, ein Tor, eine Vorlage – keine Gala, aber das Salz in der Suppe, das den Gegner schmeckte. Nun fehlt nicht nur ein Stürmer, sondern die letzte Option, das Spiel noch mal zu kippen. Denn Victor Boniface ist seit Wochen außer Gefecht, Jovan Milosevic seit Ende Februar, und nun auch noch Topp. Drei Neuner, drei Kreuze – und vorne nur noch Luft.
Die Liste der Verletzten liest sich wie ein Lazarettbericht: zehn Profis außer Dienst, darunter Leonardo Bittencourt (Syndesmose), Marco Friedl (Sprunggelenk) und jetzt eben Topp. Peter Niemeyer, Leiter Profifußball, spricht von „einer bitteren Nachricht für uns, aber vor allem für Keke“. Was er nicht sagt: Der Abstiegskampf wird zur Roulette-Partie ohne Jetons. Trainer Ole Werner muss nun mit Salim Musah planen, 20 Jahre alt, 153 Minuten Bundesliga-Luft schnuppern. Die Lösung? Ein Eigengewächs, das plötzlich zum Lebensversicherer mutiert.

Restprogramm: leipzig, köln, hamburg – ein fegefeuer in sieben akten
Nach der Länderspielpause geht’s gegen RB Leipzig, dann folgen mit Köln, Hamburg und Augsburg drei direkte Konkurrenten. Werder liegt zwei Punkte über dem Strich, hat aber das schlechteste Torverhältnis der Abstiegszone. Ohne Topp droht das gleiche Schauspiel wie 2021, als sich die Bremer in letzter Sekunde retteten – damals hatten sie aber noch Niclas Füllkrug und Josh Sargent. Heute haben sie Musah, ein paar Flügelspieler und viel Hoffnung. Die Statistik spricht gegen sie: Teams, die vor dem 28. Spieltag drei Stürmer verlieren, steigen zu 67 Prozent ab.
Im Kraftraum des Weser-Stadions wird jetzt jede Reha-Minute gezählt. Topp soll in sechs Monaten wieder laufen, in neun wieder sprinten. Bis dahin muss Werder oben bleiben. Sonst spielt der 22-Jährige nächste Saison nicht in der Bundesliga, sondern in der 2. Liga – und die Träume vom Nationalteam, vom großen Transfer, vom eigenen Haus in Schwachhausen, die verschieben sich auf unbestimmte Zeit. Die Karriere ist ein Kreuzband, das reißt, bevor der Sprung beginnt.
Am 4. April um 15.30 Uhr eröffnet Leipzig den Endspurt. Werder ohne Topp, ohne Plan B, aber mit der Erkenntnis, dass manchmal ein einziger Schrei reicht, um eine Saison zu zerreißen. Der Klub wird ihn „mit allen Mitteln“ begleiten, wie Niemeyer verspricht. Doch die Wahrheit ist hart: Kein MRT scannt die Tabelle neu, kein Physio heilt die Liga. Topp fehlt, der Sturm ist leer – und der Abstieg kommt näher, jeden Tag ein bisschen mehr.
