Kläbo knallt auf die loipe – 50 km fallen flach
Johannes Hösflot Kläbo flog, traf und blieb liegen. Der sechsmalige Gesamtweltcupsieger schlug sich beim Sprint in Drammen so hart der Kopf auf die harte Loipe, dass der Arzt heute ein leichtes Schädelhirntrauma diagnostizierte.

Holmenkollen ohne den könig
Die Konsequenz: Kein Start beim Klassiker über 50 Kilometer am Samstag in Oslo. Kein Showdown. Keine Revanche nach dem verpatzten Vergleich mit Iversen. Stattdessen heißt es für Kläbo: „Ich habe nur einen Kopf, also muss ich gut darauf aufpassen.“ Das postierte er auf Instagram – direkt aus dem Krankenhaus, wo man ihn nach dem Sturz zur Sicherheit schickte.
Der norwegische Teamarzt Ove Feragen betont, dass sich der 29-Jährige „den Umständen entsprechend gut“ fühle. Die Formel klingt ärztlich und vorsichtig. Sie bedeutet: Kopfschmerzen, Schwindel, absolute Ruhe. Kein Handy, kein Ski, kein Tempolimit. Kläbo reist zurück nach Trondheim, schaltet ab – und schaut, ob das Gehirn mitspielt.
Das Saisonfinale in Lake Placid (20.–22. März) steht auf Abruf. Drei Rennen in drei Tagen, 3 000 Meter Seehöhe, enges Programm. Für den Norweger wird es knapp. Er hat den Gesamtweltcup längst eingetütet, doch das zählt jetzt wenig. Die PS-Saison war ohnehin schon turbulent: erstmals seit fünf Jahren keine Einzel-Distanz-Siege, dafür zwei Sprints und viel Frust. Die Gehirnerschütterung setzt dem verrissenen Winter die Krone auf.
Die Konkurrenz atmet auf. Mit Kläbo fehlt der Mann, der die letzten Jahre dominierte – auf der Loipe und in den Köpfen der Gegner. Wer in Oslo und Lake Placid zulegt, kann die Sommerpause mit Selbstvertrauen verbringen. Für Norwegen bleibt Pål Golberg als Fahnenträger, doch ohne Kläbo verliert das Team den Turbo.
Die Verbandschefs werden nun ein Machtwort sprechen müssen: Risiko auf Biegen und Brechen oder Schonung um jeden Preis? Die Geschichte der Sportmedizin ist voll von Spätfolgen, die erst Jahre später aufflammen. Kläbo selbst schreibt von „ein paar Tagen Pause vom Training und vom Internet“. Das klingt nach Minimaldosis. Die Wahrheit ist: Bei Gehirnerschütterungen zählt kein Weltcup-Punkte-Konto, sondern Millisekunden, in denen sich das Hirn wieder in seine Schale zurückzieht.
Die Fans diskutieren bereits über den möglichen Saison-Aus. Die FIS meldet sich schweigend, die Sponsoren drängeln. Doch wer einmal mit dem Helm durchs Eis rutscht, lernt: Der nächste Sturz kommt schneller, als man denkt. Kläbo hat sechs Wochen Sommer, um die Schädeldecke zu schließen. Danach beginnt der Zirkus von neuen – mit oder ohne ihn.
