Gummersbach stürmt auf platz vier: der sieben-schläger jagt kiel und lemgo

Der VfL Gummersbach lebt wieder. Mit dem 31:24 in Melsungen schob sich der Traditionsklub auf Rang vier der Handball-Bundesliga – und das nach dem siebten Erfolg nacheinander. Wer jetzt noch von der Abstiegszone spricht, lacht sich in der Halle am Stadtwald schief.

35:13 Punkte. Die Zahl steht für eine kleine Revolution. Gummersbach überholte sowohl den TBV Lemgo Lippe als auch den Rekordmeister THW Kiel (je 34:14) und baut die Lücke zu den Europacup-Plätzen aus. Trainer Emir Kurtagić hatte vor Saisonbeginn „Spaß statt Stress“ versprochen – sein Team liefert.

Nationalduo köster und schluroff treibt den gegner in den keller

Nationalduo köster und schluroff treibt den gegner in den keller

Miro Schluroff traf siebenmal, Julian Köster fünf. Gemeinsam warfen sie die MT Melsungen aus der Spur. Die Hessen wirkten wie ein Boxer, der nicht merkt, dass der Gegner mittlerweile in der nächsten Gewichtsklasse boxt. 14:10 zur Pause war noch schmeichelhaft, 24:31 am Ende eine klare Machtdemonstration.

Die Serie liest sich wie ein Krimi: Kiel bezwungen, Flensburg besiegt, Lemgo aus dem Weg geräumt. Dazwischen punktete Gummersbach auch in Berlin und Stuttgart. Die Mannschaft, die vor einem Jahr noch um den Klassenkampf zitterte, spielt nun mit dem Selbstbewusstsein von Anwärtern auf die Meisterschaft. Das Mittelblock-System von Kurtagić funktioniert, weil Schluroff und Köster jeden Ball verteidigen, als ginge es ums Finale.

Die Fans im ausverkauften eigenen Wohnzimmer – die Hardtberghalle – träumen lautstark vom Europacup. Doch im Klub wird gemurmelt: „Erst einmal wollen wir oben bleiben.“ Das klingt bescheiden, ist aber realistisch. Die nächsten Gegste: Magdeburg, Wetzlar, Hannover. Drei Klubs, die sich selbst für Champions-League-Tauglich halten.

Die MT Melsungen steht unterdems auf Platz acht und muss aufpassen, nicht in die Belanglosigkeit zu rutschen. Trainer Heiko Grimm sprach von „verpassten Chancen“, meinte aber auch: „Gummersbach hat uns weggespült wie ein Flutwelle.“ Die Bilder der zweiten Hälfte werden in Melsungen noch lange nachhallen.

Für Gummersbach geht es am Freitag nach Minden. Schon jetzt ist klar: Gewinnt der VfL wieder, rückt die Zahl drei in Reichweite. Und dann wären da noch die beiden Duelle gegen Kiel und Flensburg – Rückspiele, in denen Revanche ein schönes Wort ist. Die Tabelle lügt nie, sagt man. Gummersbach gerade auch nicht.