Griezmann fliegt nach orlando – atlético erlaubt den abschied des rekordtorschützen
Antoine Griezmann packt schon
die Koffer. In den nächsten Stunden hebt die Maschine Richtung Florida ab, und an Bord sitzt der Franzose, der seine Karriere nicht in Madrid, sondern in der MLS ausklingen lassen will. Atlético gab grünes Licht – ein Vorgang, der in der Klubgeschichte ohne Präzedenz ist.
Warum orlando und warum jetzt?
Die Antwort ist so schlicht wie brutal: Griezmann ist 33, seine Knie sprechen jeden Morgen ein eigenes Dialekt, und die Statistik, die ihn zum ewigen Torjäger der Rojiblancos macht, verliert jeden Tag an Zukunft. Orlando City bietet ein Dreijahresgehalt plus Option, das sich nach Megastar-Art berechnet: 8,5 Millionen Dollar pro Saison, Bonis inklusive. Die Ablöse? Symbolisch. 1,5 Millionen, weil der Klub nicht blockieren wollte, was ohnehin kommt.
Die Chronologie ist lückenlos: Nach dem 2:0 gegen Celta schüttelte er noch schnell ein paar Hände, dann ging es ins Privatjet. Kein Medienrat, keine Abschiedstränen. „Wir sehen uns in zwei Wochen wieder“, sagte er nur, weil Copa und Champions League noch zu holen sind. Diego Simeone winkte ab, als wäre es ein Kurztrip nach Marbella. Intern heißt es: „Wenn er zurückkommt, holen wir die Pokale. Dann darf er gehen.“
Lo que nadie cuenta ist die Machtverschiebung im Kabinencouncil. Koke, Oblak und Griezmann bilden seit Jahren das informelle Triumvirat. Ohne den Franzosen verliert der Kapitänstrack seine französische Komponente – und genau diese fehlte, als Atlético 2020 das Finale gegen Bayern verlor. Ein Déjà-vu? Möglich. Denn die Defensive läuft zwar, aber die Tore, die sonst Griezmann erzielte, muss nun Julian Alvarez oder ein anderer übernehmen, der noch kein Finale entschieden hat.
Die Liga-Delegierten in Orlando winken bereits durch. Die medizinischen Tests sind Formsache, weil MLS-Ärzte seit Januar alle europäischen Leistungsdaten einsehen. Das eigentliche Finale findet in Madrid statt: 25. Mai, Champions-League-Endspiel, Wembley. Sollte Atlético das Triple schaffen, wäre es der erste Verein, der einen solchen Abgang mit Titeln versieht. Die Quote? 14,0. Kein Wunder, dass die Buchmacher in Las Vegas plötzlich spanische Akzente hören.
Ein letztes Detail bleibt offen: Das Trikot. In Orlando trägt momentan Facundo Torres die 7. Griezmann will sie behalten. Die MLS erlaubt Spielern, ihre Nummer zu kaufen – für 250.000 Dollar, die an die Spielergewerkschaft fließen. Ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass Griezmanns Marketingrechte allein in den USA innerhalb von 18 Monaten auf 40 Millionen geschätzt werden. Die Franzosen lachen darüber, die Amerikaner auch. Nur die Konkurrenz in der Eastern Conference nicht.
Fazit: Am 1. Juni steht Griezmann im Exploria Stadium, und Atlético spielt ohne ihren Rekordmann. Die Symbiose endet, aber die Rechnung stimmt. Wer zuerst trifft – Orlando in der Tabelle oder Atlético in der Champions League –, entscheidet, ob dieser Deal Geschichte schreibt oder nur ein Postskriptum bleibt. Die Uhr tickt. Die Koffer sind gepackt. Und die Tore, die er noch schießt, zählen doppelt: einmal für Spanien, einmal für die neue Heimat in Florida.
