Gravina tritt zurück: neuanfang für den italienischen fußball?
Rom – Ein Beben erschüttert den italienischen Fußball: Gabriele Gravina, der Präsident des Verbands, erwägt seinen Rücktritt. Nach dem verpassten WM-Traum und angesichts zunehmenden Drucks scheint Gravina einen radikalen Schritt zu vollziehen, um den notwendigen Wandel im italienischen Fußball zu ermöglichen. Es geht um mehr als nur um einen Führungswechsel; es geht um die Zukunft des Sports im Land.
Die zenica-schmach und ihre folgen
Die bittere Niederlage gegen Bosnien und Herzegowina in Zenica hat die Krise im italienischen Fußball offengelegt. Gravina, der sich zuvor stets auf das Kollektiv berufen hatte, scheint nun die Verantwortung für das Scheitern übernehmen zu wollen. Er plant, die Verantwortlichen, die in der Vergangenheit wenig zur Verbesserung des Systems beigetragen haben, in den Schuldprozess einzubeziehen. Ein Rücktritt aus der aktiven Position ermöglicht ihm dabei größere Freiheiten.
Die Entscheidung ist kein Impulsaktion. Vielmehr ist es das Ergebnis intensiver Überlegungen und Gespräche. Nach dem Spiel gegen Bosnien hatte Gravina zwar noch betont, dass die Bewertung der Situation dem Bundesrat vorbehalten sei, doch er signalisierte gleichzeitig die Dringlichkeit einer klaren Lageberichtigung. Sein Ziel ist es, den italienischen Fußball für eine nachhaltige Zukunft zu rüsten, selbst unter einem neuen Präsidenten.
Bereits heute plant Gravina, die Vorstände der FIGC-Komponenten (Ligen und Verbände) zu treffen, um seinen Rücktritt offiziell anzukündigen. Es wird erwartet, dass diese Entscheidung positiv aufgenommen wird, obwohl einzelne Kreise – insbesondere die Serie A – möglicherweise eine Fortsetzung seiner Amtszeit befürworten würden, insbesondere angesichts seiner Rolle als UEFA-Vizepräsident im Hinblick auf die Europameisterschaft 2032.
Nachdem der Rücktritt formell eingereicht wurde, wird Gravina eine Neuwahl einberufen, die innerhalb von 90 Tagen stattfinden soll. Die Kandidaturen müssen 40 Tage vor dem Wahltag eingereicht werden. Ein Commissariatsverfahren durch den CONI erscheint unwahrscheinlich, da es technisch kaum umsetzbar wäre.

Wer wird gravinas nachfolger?
Die Gerüchte über mögliche Nachfolger kursieren bereits. Giancarlo Abete wurde ins Spiel gebracht, doch diese Option scheint wenig Anklang zu finden. Gravina wünscht sich eine Person, die einen klaren Bruch mit der Vergangenheit verkörpert. Der Name Giovanni Malagò, unterstützt von Bedin als Generalsekretär, wird derzeit am häufigsten genannt und hat offenbar bereits Zustimmung in den höchsten Fußballinstanzen gefunden. Das gemeinsame Ziel aller Beteiligten ist es, eine Persönlichkeit aus dem Sport zu finden, die nicht aus der Politik oder dem Technikbereich stammt. Malagò erfüllt diese Kriterien in hohem Maße.
Die Äußerungen von Sportminister Andrea Abodi haben die Situation zusätzlich verschärft. Er forderte eine grundlegende Reform des Verbands und kritisierte die mangelnde Verantwortung der bisherigen Führung.
