Der thc marschiert trotz k.o.-schlag weiter: sieg in der niederlage
36:37 lautete das vermeintliche Ende, doch es war der lauteste Erfolg dieser Saison. Der Thüringer HC verlor das Rückspiel gegen Nyköbing, tanzte dank des Vier-Tore-Vorsprungs aus dem Hinspiel aber erneut ins Final Four der European League – und machte damit klar: Diese Mannschaft lebt von der Schlagseite.
Die launische diva schlägt zurück
Coach Herbert Müller hatte seine Handballerinnen nach dem Pokal-Debakel noch als „launische Diva“ gescholten. Was er am Sonntagabend sah, war ein Ensemble, das die Bühnenlampe selbst anfertigt. Nach dem 15:9-Rückstand zur Pause schraubten sich die Thüringerinnen auf 36:36 herauf – und stoppten dann den Wahnsinn bewusst. „Wir wollten nichts mehr riskieren“, sagte Müller. Also ließen sie den letzten Treffer der Däninnen gewähren, zogen die Uhr und jubelten, als wäre das Spiel gewonnen.
Johanna Reichert war es, die mit dem 36:36 den Knoten zerriß. Die Österreicherin schleppte sich mit strapaziertem Knie durch die Halle, erzielte 15 Treffer und schrieb sich damit selbst ein Abschiedsgeschenk, bevor sie im Sommer zu Gloria Bistrita wechselt. „Es war keine einfache Woche“, sagte sie keuchend, „aber ich habe heute gemerkt: Der Körper hält, wenn der Kopf will.“

Müllers kampfansage für dijon
Die EHF wird in Kürze bestätigen, was alle bereits ahnen: Das Final Four findet am 16. und 17. Mai in Dijon statt. Frankreichs Meister JDA Bourgogne wartet dort bereits, dazu kommen Viborg HK und MOL Esztergom. Müller lachte verschmitzt: „Die stärksten Mannschaften haben sich durchgesetzt – und wir sind dabei.“ Für ihn ist klar: „Wir schenken nichts her.“
Der THC spielte in dieser Saison bereits 55 Pflichtspiele, verlor aber nur eines wirklich – und das war das, das ihn weiterbrachte. Die launische Diva hat neue Rollen gelernt: Sie kann leiden, sie kann warten, und sie kann gewinnen, ohne zu siegen. In Dijon wird sie zum letzten Akt treten. Die Gegner sollten sich warm anziehen.
