Wirtz erklärt gala in basel: „das war mein bestes länderspiel“
Florian Wirtz war nicht zu bremsen. Mit zwei Toren, zwei Vorlagen und einem Fallrückzieher, der sofort in die Geschichtsbücher eingeht, schraubte er Deutschland beim 4:3 in Basel in den Siegestaumel. „Für Deutschland war es mein bestes Spiel“, sagt der 22-Jährige im Sportschau-Interview – und liefert gleich die Erklärung für seine Explosion mit.
Der liverpool-dämpfer als zündmoment
Der schwierige Start beim FC Liverpool war kein Bug, sondern ein Feature. „Es war keine leichte Phase“, gesteht Wirtz. „Aber Julian Nagelsmann sagte mir, dass es gut ist, mal eine Delle zu haben.“ Der Bundestrainer prophezeite: Wer durchhält, kommt stärker zurück. Genau das ist passiert. Die körperbetonte Premier-League-Mühle zwang Wirtz, sich neu erfinden. „Ich musste lernen, den Ball zu behaupten und gegen Widerstände anzukommen.“ Das Resultat: ein körperliches Level, das er selbst „gut“ nennt – womit sich der kleine Zauberer bescheiden untertreibt.
Sein Kunstschuss zum 3:2 war keine spontane Laune. Es war die Krönung monatelanger Mikro-Arbeit. „Das schönste Tor meiner Karriere“, sagt er, ohne Überschwang, fast schon nüchtern. Dabei hätte der Treffer für sich allein schon Torschreie bis nach Stuttgart tragen müssen, wo Deutschland am Montag (20.45 Uhr/ARD) auf Ghana trifft. Doch Wirtz redet nicht vom Tor, sondern vom Kontext: „Ich konnte einem Spiel noch nie so meinen Stempel aufdrücken.“

Nagelsmann bleibt sein sicherer hafen
Vertrauen ist kein Marketingwort. Wirtz spürt es in jedem Gespräch mit Nagelsmann. „Er hatte immer ein offenes Ohr, hat mir Tipps gegeben und mich beruhigt.“ Diese Sätze klingen nicht nach Standard-Dank, sondern nach Rückgrat-Geschichte. Der Nationaltrainer zog ihn aus der Liverpool-Krise, stellte ihn in Basel an die Spitze – und wurde mit Reife belohnt. Das Verhältnis beider ist längst mehr als Dienst nach Vorschrift. Es ist ein Bündnis gegen den britischen Nebel und für deutschen Offensiv-Fußballsommer.
Die Kritiker, die nach seinem Wechsel an die Anfield Road fragten, ob Wirtz die körperliche Komponente überhaupt packt, bekommt nun eine Antwort in 4K-Auflösung: zwei Assists, zwei Tore, ein Fallrückzieher, der Instagram binnen Minuten sprengt. Und eine Aussage, die in die Zukunft weist: „Ich merke, dass ich auf einem guten körperlichen Level bin.“ Das klingt nach Versprechen, nicht nach Endstation.
Die Gala in Basel war kein einmaliger Tagtraum. Sie war der Beweis, dass Dellen nicht nur Narben hinterlassen, sondern auch neue Waffen schmieden. Wer jetzt noch fragt, ob Wirtz die Premier League richtig verstanden hat, sollte das 3:2 gegen die Schweiz auf Dauerschleife laufen lassen. Dann wird klar: Der Junge ist nicht nur angekommen – er ist entfacht.
