Schweizer fussball im märz: die vier szenen, die fans nicht mehr loslassen

Flanke, Flugkopfball, Torjubel – und das nach 18 Minuten vier Mal. Servette FC hat die Genfer Derby-Angst in der Pause schon abgelegt, während die Grasshoppers in ihrer Kabine die Trümmer wegkehrten. Ein Monat, der Schweizer Fussball bis ins Mark erschüttert.

Die nati liefert sich ein schießduell mit deutschland

Murat Yakin wollte nur testen, bekam aber ein Feuerwerk. 3:4 lautete der Endstand gegen den WM-Gastgeber, doch die Zahlen lügen. Die Schweizer Elf war nicht unterlegen, sie war ungestüm. Florian Wirtz schockte mit einem Solo aus dem Nichts, doch Breel Embolo antwortet mit einem Doppelschlag, der Deutschland fast die Show raubt. Die Moral stimmt, die Abwehr nicht – ein Dilemma, das vor der EM noch schnell gelöst werden muss.

Drei Tage später folgt das Gegenteil: 0:0 gegen Norwegen, null Torgefahr, null Tempo. Die Nati liefert im März zwei Gesichter – und beide spiegeln die Realität: Top-Anschluss an die Elite, aber die Chancenverwertung bleibt eine Schweizer Krankheit.

Rekordjagd in st. gallen, thun und lugano

Rekordjagd in st. gallen, thun und lugano

Während die Nati schwankt, glänzen die Klubs. St. Gallen bleibt seit elf Partien ungeschlagen und jagt den eigenen Bestwert. Thun und Lugano haben ihre Serien bereits geknackt – 13 respektive 14 Spiele ohne Niederlage. Dahinter steckt keine Magie, sondern eine klare Philosophie: Ballbesitz, hohes Pressing, junge Spieler mit Durchbruchs-Power. Fabian Schär bringt beim FCSG Erfahrung rein, beim FC Thun reicht ein Budget, das kaum zwei Transferperioden in der Super League deckt. Doch die Tabelle lügt nicht: Kontinuität zahlt sich aus, selbst wenn die Kolosse Zürich und Basel zittern.

Servette versetzt gc einen blitz-blitzstart

Servette versetzt gc einen blitz-blitzstart

18 Minuten. So lange braucht Servette, um den archenrivalen GC mit 4:0 zu überrollen. Es ist kein Start, es ist ein K.O. in der ersten Runde. Dario Serra verschwindet im Strafraum, Miroslav Stevanovic schlägt einen Freistoß wie mit Zauberhand. Trainer René Weiler hatte vor dem Spiel gesagt, seine Mannschaft müsse „explosiv“ beginnen – sie sprengt gleich die Anzeigetafel. Auf der Gegenseite sitzt Gernot Messner, frisch verpflichtet, sofort konfrontiert mit dem Alptraum jedes Coaches: eine Mannschaft, die sich selbst nicht mehr hört.

Winterthur schreibt den abstiegskrimi neu

Winterthur schreibt den abstiegskrimi neu

Der FC Winterthur war abgeschrieben, doch der Abstiegskampf ist ein Pendeln zwischen Hoffen und Bangen. Das 2:1 gegen Luzern hält die Eulachstadt im Rennen, fünf Punkte Rückstand auf GC bedeuten: ein Heimspiel kann reichen. Die Niederlage gegen Basel schmerzt, doch Trainer Bruno Berner bleibt ruhig. Seine Devise: „Erst zittern, dann jubeln.“ Wer einmal in der Relegation stand, weiß, dass eine einzige Serie alles umdreht. Und Serien sind in diesem März offensichtlich en vogue.

Der Blick nach vorn: Die Super League spitzt sich zur Meisterschafts- und Abstiegsfrage zu, die Nati muss vor der EM die Abwehr stabilisieren. Der März hat Geschichten geschrieben – im April wird entschieden, welche davon in die Geschichtsbücher einziehen.