Dsv räumt auf: frauen-team verliert doppelspitze – oslo wird zur schaltzentrale
Kristian Mehringer und Sverre Olsbu Röiseland sind raus. Schon vor dem letzten Schuss im Holmenkollen stand für Felix Bitterling fest: Die deutschen Biathletinnen bekommen ein neues Trainer-Gespann. Die Begründung klingt nach Familienplanung, die Wirkung ist ein Machtvakuum.
Mehringer geht nach acht Jahren, weil der Skiverband ihn „an einer sehr wichtigen Position“ neu aufstellen will. Röiseland fliegt, weil sein zweites Kind unterwegs ist und der DSV zu wenig Sverre kriegt. Die Pointe: Beide Entscheidungen fallen, während die Frauen zum ersten Mal seit 2006 eine komplette Saison ohne Sieg verballern.
Denise herrmann-wick fordert einen coach, der weltklasse schon gesehen hat
Olympiasiegerin Herrmann-Wick liefert das Zitat, das jeder intern mitdiktiert: „Wir brauchen jemanden, der beweisen kann, dass er Athletinnen an die Spitze gebracht hat.“ Gemeint ist: Jemand, der Schützlinge nicht nur fit macht, sondern sie auch dann noch ans Mikro schickt, wenn drei Patzer in Serie die Lunge zum Kollaps neigen.
Die Kandidatenliste ist offen. Intern kursen Namen wie Andreas Stitzl, der Schweizerin Elvira Öberg zu drei Weltcupsiegen verhalf, und Peter Sendel, der zuletzt den norwegischen Nachwuchs auf Vordermann brachte. Bitterling schweigt, doch hinter den Kulissen telefoniert der Sportdirektor schon mit Agenten, die sonst Fußball-Bundesligisten Spieler andrehen.
Die Frage ist nicht nur: Wer kommt? Die Frage ist: Wer will das Ruder übernehmen, das derzeit auf Grund liegt? Die Statistik ist ein Mahnmal: 0 Siege, 4 Podestplätze, 29 Prozent Trefferquote im Stehendanschlag. Deutschland ist in der Frauen-Weltcup-Gesamtwertung nur noch Fünfter – hinter Frankreich, vor der Ukraine.

Nachwuchs droht abzuhängen – 17-jährige trainieren noch mit kleinkaliber
Während die A-Kaderläuferinnen in Oslo ihre letzten Patronen verschossen, standen die besten Junioren in Ruhpolding auf der 60-Meter-Bahn und fragten sich, ob sie nächste Saison überhaupt Vollgas geben dürfen. Der DSV streicht Nachwuchs-Camps, weil das Budget für die neue Trainer-Doppelspitze bereits reserviert ist. Die Folge: Talente wie Johanna Puff (17) oder Luisa Kaltschmidt (18) trainieren weiter mit Wettkampfstöckeln aus dem Rentnerlager.
Ein Funktionär aus Oberhof flüstert: „Wenn wir jetzt nicht aufräumen, holen wir 2027 in Oberhof bei der Heim-WM nur Medaillen im Schülercup.“ Die Ironie: Gerade Mehringer galt als Architekt eines Nachwuchsprogramms, das 2019 noch acht Junioren in die Weltspitze schickte. Jetzt muss er die Trümmer seines eigenen Rückbaus managen.
Die Saison endet mit einem Fünften Platz für Janina Hettich-Walz im Massenstart – ein Ergebnis, das im vergangenen Jahr noch als Reinfall gegolten hätte. Statt Jubel gibt es nur ein Schulterzucken. Die Athletinnen fliegen heim, die Trainer fliegen raus, und die Fans fragen sich, warum ausgerechnet das Land, das Biathlon erfunden hat, sich selbst abschießt.
Oslo war nicht nur das Finale, es war die Schaltzentrale. Wer dort am Samstagabend in der Mixed-Zone stand, hörte das nächste Gerücht schon vor der dritten Zwangsjacke: Laura Dahlmeier soll als Mental-Coach an Bord. Sie schweigt. Aber sie war da. Und das reicht, um die Twitter-Timeline zum Kochen zu bringen.
Der Countdown läuft. In 180 Tagen startet der Weltcup in Östersund. Bis dahin muss der DSV nicht nur zwei Trainer präsentieren, sondern auch eine Erklärung, warum Deutschland künftig wieder trifft statt nur daneben knallt. Die Antwort wird in der Lüfte liegen, die zwischen Oslo und Ober herrscht – und in der Frage, ob sich ein Verband, der seine eigenen Erfolgsrezepte versenkt, noch einmal neu erfinden kann.
