Kwasniok vor dem aus: ga tagt – wagner wartet im kölner schatten

3:3 gegen Gladbach, sieben Spiele ohne Sieg, zwei Erfolge seit November: Lukas Kwasniok muss am Sonntagnachmittag um seinen Job bangen. Der Gemeinsame Ausschuss (GA) des 1. FC Köln hat sich eingeschaltet, das Spielersatztraining fiel aus – ein Ritual, das in Köln stets den Startschuss für einen Ruck markiert.

Warum rené wagner längst nicht mehr nur co ist

Im RheinEnergieStadion redet niemand mehr über Taktik, alle reden über Stimmung. Und die ist laut Thomas Kessler klar: „Wir rücken immer näher an den Strich heran.“ Der Sport-Geschäftsführer sprach von „Stellschrauben“, die man drehen müsse. Gemeint: der Trainer. Denn intern gilt seit Wochen der 37-jährige Assistent René Wagner als heimlicher Thronfolger. Er kennt die Bühne, er kennt die Liga, er kennt die Kabine – und er kennt Kwasniok’ taktisches Rückgrat bis auf die letzte Schaltzentrale.

Wagner war Teil von Steffen Baumgarts Staff in Paderborn, Köln, Hamburg und Berlin. Für englische Klubs hatte er Anfragen liegen liegen, doch Kessler holte ihn zurück an den Rhein – mit einem Plan, der jetzt Fahrt aufnimmt. Die Länderspielpause verschafft einem neuen Mann zwei Wochen ungestörte Trainingszeit. Genug, um eine Idee einzuprägen, die Kwasniok offenbar nicht mehr transportieren kann.

Warum funkel, toppmöller & co keine chance haben

Warum funkel, toppmöller & co keine chance haben

Friedhelm Funkel? „Zu altmodisch“, heißt es intern. Dino Toppmöller? „Zu frisch entlassen, zu teuer.“ Stefan Ruthenbeck? „Happy in der U 19.“ Die Liste der externen Retter endet im Büro von Timo Decker, dem Leiter Nachwuchsscouting. Dort liegt ein Notizblock mit einem einzigen Namen: Wagner. Kein Wunder, dass die Spieler nach dem Gladbach-Spiel mehr über interne Übungen als über den Gegner sprachen.

Kwasniok selbst wirkte nach dem Schlusspfiff wie ein Mann, der das Skript schon kennt. „Was können die Menschen mehr erwarten?“, fragte er in den Katakomben. Die Antwort liefert die Tabelle: Platz 15, zwei Punkte Vorsprung auf Relegationsrang 16. Die Geißböcke haben 2024 bislang 11 Punkte geholt – so wenig wie 2003, als der Klub am Ende abstieg.

Der GA kann Kessler stechen, Kessler kann den GA überstimmen. Fakt ist: Wer in Köln die Machtfrage stellt, verliert meist beide Posten. Struber und Keller gingen 2022 gemeinsam. Nun steht Wagner bereit – nicht als Notlösung, sondern als logische Konsequenz aus einem Halbjahr, das sich wie ein Dauerbrenner liest. Die Entscheidung fällt am Sonntagabend. Dann weiß der 1. FC Köln, ob er weiter auf Kwasniok setzt oder auf jemanden, der schon länger neben ihm stand.