Cereda übernimmt u-20: weihnachten in edmonton statt bellinzona
Luca Cereda packt seine Koffer. Am 1. Juni verlässt der 47-Jährige die vertraute Clubwelt und steht erstmals vor einer Leinwand statt hinter der Bande. Schweizer Verbandsbosse verpflichteten ihn als Chefcoach der U-20-Nationalmannschaft – ein Job, der ihn an Weihnachten 2026 nach Edmonton führt, 7.500 Kilometer von zuhause entfernt.
Kein training mehr jeden tag – das ist der deal
„Ich bin aufgeregt und neugierig“, sagt Cereda im Gespräch mit heshootshescores.com. Die Neugier überwiegt, obwohl er künftig nur noch Kurzstints mit den besten Junioren absolvieren wird. „Das Team sehe ich nicht täglich, sondern punktuell. Das Schöne: Ich arbeite mit den Spielern, die in zehn Jahren die NHL bestimmen“, erklärt er. Die Aussicht, Talente wie Leon Muggli oder Matteo Wagner auf die nächste Stufe zu heben, überzeugte ihn, das Angebot anzunehmen.
Die Verhandlungen liefen schleichend. Erster Kontakt: Anfang Dezember. Cereda recherchierte, sprach mit früheren U-20-Coaches, liebäugelte, zögerte, sagte schließlich zu. Vertragsunterzeichnung im Januar – Stillschweigen bis jetzt.

Von ambri in die ganze welt
Die Umstellung wird enorm. Statt morgens um 8 Uhr Eiszeit in der Valascia fliegt er künftig quer durch Europa, um Junioren in ihren Stammclubs zu beobachten. „Videoanalyse reicht nicht. Ich muss live sein, Gespräche mit Vereinstrainern führen, sicherstellen, dass sich alle unterstützt fühlen“, betont er. Die neue Rolle: Teils Beobachter, teils Motivator, dauernd unterwegs.
Edmonton wird das erste große Feuer. „Weihnachten 2026 bin ich auf der anderen Seite des Globus“, lacht Cereda. Seine Kinder haben schon Schneemänner aus Pappe gebastelt, um sich auf minus 20 Grad einzustellen. „Für sie ist Edmonton ein Schneeversprechen – bei uns fällt in Bellinzona kaum noch was.“

Doppelbelastung mit der a-nati
Zusätzlich fungiert er als Assistenzcoach der A-Nationalmannschaft. Ein Zusatzauftrag, der ihn an die Spitze des Schweizer Hockeyzirkus katapultiert. „Teamarbeit ist Trumpf. Kein Tag ohne Druck, jeder im Staff zählt“, sagt er knapp. Die Kombi aus U-20-Entwicklung und Senioren-Support ist in der Schweiz neu – und riskant. Scheitern fällt auf Ceredas Kappe.
Die letzten Monate nutzte er für Datensammlung. Spielberichte, Fitnesswerte, Psychogramme – alles landet auf seinem Schreibtisch. „Je mehr Informationen, desto weniger Überraschungen im Turnier“, erklärt er. Am 1. Juni beginnt offiziell seine Zeit, doch schon jetzt sitzt er in der St. Jakob-Arena und notiert sich Power-Play-Tendenzen.
Der Abschied von Ambri war emotional. „Jeder wollte mit mir reden, wenn ich nur den Bahnhof verließ“, erinnert er sich. Mittlerweile habe er die nötige Distanz gewonnen. „Ich bin bereit für die neue Mission.“
Die Mission hat ein klares Ziel: in zehn Jahren Schweizer Schlüsselspieler in der NHL – und ein Erfolg, der nicht nur in Edmonton, sondern auch in Bellizona spürbar sein wird.
