Celta-präsidentin mouriño schwört europa league nach vigo zu bringen
Vigo verwandelte sich am Wochenende in eine einzige Lach- und Feuerwerkskulisse: 40.000 Bürger feierten die Reconquista, den 1809 gelungenen Ausstoß napoleonischer Truppen – und ließen sich dabei von einer ungewöhnlichen Heldin schwören, künftig auch europäischen Spitzenfußball zu liefern.

Der moment, in dem der celta die stadt verpflichtete
Marián Mouriño trat am Sonntag auf die improvisierte Bühne an der Puerta del Sol. Kein Vereinslogo, keine Pressekonferenz, sondern einfach das weiße Hemd der Milicianas. Die Präsidentin des RC Celta de Vigo legte die Hand auf die Stadtfahne und antwortete auf die Frage der Zeremonienmeister mit einem lauten „¡Sí prometo!“ – Ja, ich schwöre. Europa Leaguesoll nach Vigo kommen. Der Jubel war ohrenbetäubend.
Der Bürgerverein Casco Vello hatte Mouriño zur Ehrenmilizian ernannt, eine Auszeichnung, die sonst Historikern oder Künstlern vorbehalten ist. Mit dem Ritual verbindet sich ein Versprechen: Stadtgeschichte pflegen und ihre Zukunft mittragen. Mouriño nahm das wörtlich. „Wir wollen Vigo wieder auf der europäischen Landkarte sichtbar machen“, sagte sie danach, das Mikrofon in der einen, das alte Muskett in der anderen Hand.
Die Inszenierung folgt einem festen Drehbuch: Kanonendonner, französische Uniformen, ein Sturm auf das Obeliskdenkmal. Doch 2024 verschob sich der Fokus. Die Fans riefen nicht nur „¡Vivan las fuerzas viguesas!“, sondern auch „¡Olé, Olé, Europa!“. Die Choreografie verband Tradition mit Transfermarkt. Hinter den Kulissen arbeitet der Klub an einer Qualifikation, die seit 2021 ausbleibt. Die sportliche Lage ist kompliziert, der Saisonendspurt verlangt fast perfekte Punkteausbeute. Aber die Präsidentin lieferte der Öffentlichkeit ein Datum: 21. Mai, letzter Spieltag, Abanca-Balaidos. Dort will sie den Europacup festnageln.
Die Stadtverwaltung rechnet mit einem Millionenschub. Laut Handelskammer bringt jede europäische Heimpartie rund 1,8 Mio. Euro an Gastronomie- und Hotellerieumsatz. Die Fans denken weniger an Bilanzen, sondern an Bilder: Flaniermeile Príncipe beleuchtet, die Hafenkräne im Nebel, dazu das Celta-Lied „Celtas, aquí estamos“ aus 20.000 Kehlen. Mouriño kennt die Sehnsucht. „Wir haben 15 Jahre keine Trophäe gehoben. Die nächste muss ein Ticket sein“, sagt sie.
Der historische Schwur endete mit einem symbolischen Musketenfeuer. Die echten Kampflinien aber verlaufen jetzt auf dem Rasen. Trainer Claudio Giráldeus muss Mittelfeldakteure fit machen, die seit Wochen martern, und einen Angriff finden, der nicht nur Besessenheit, sondern auch Treffer zeigt. Die Fans haben ihre Seite klar verteilt: Weiße Fahnen mit blauem Schild überall in der Altstadt. Die Botschaft ist lauter als jedes Fanradio.
Am Samstagabend zogen die „französischen“ Besatzer symbolisch aus der Stadt. Am 21. Mai zieht Real Madrid oder Betis Sevilla real ins Stadtion. Dann entscheidet sich, ob Mouriños Schwur Geschichte oder nur Folklore bleibt. Die Stadt wartet. Und sie wartet laut.
