„Buffy“ ettmayer: ein fußball-original verlässt das spielfeld
Vor drei Jahren verstummte eine Stimme, die die Fußballwelt mit ihrer Ehrlichkeit und ihrem unkonventionellen Humor bereicherte: Hans „Buffy“ Ettmayer. Sein Tod am 1. April 2023 markiert den Abschied eines Mannes, der trotz – oder vielleicht gerade wegen – seiner Figur zu einem Idol in Österreich und Deutschland wurde. Ein Spieler wie er im modernen Profifußball kaum denkbar wäre, und das ist gut so.
Der mann, der die sauce béarnaise liebte
Ettmayer, der gebürtige Wiener, war ein Phänomen. 30 Länderspiele für Österreich, Kapitän beim VfB Stuttgart und Europapokalsieger mit dem Hamburger SV – und das alles bei einer Körpergröße von 1,72 Metern und einem Gewicht von rund 85 Kilo. Seine Vorliebe für deftige Kost, insbesondere Steaks „bedeckt mit soviel Sauce Béarnaise, dass kein Fleisch mehr zu entdecken war“, wie das Magazin 11 Freunde anerkennend feststellte, wurde zu seinem Markenzeichen. Der Spitzname „Buffy“, den er bei Wacker Innsbruck erhielt – in der tschechoslowakischen Heimat des Trainers Leopold Stastny bedeutet er so viel wie „Dickerchen“ – nahm er schließlich in Kauf und machte ihn zu seiner persönlichen Marke.
„Ich habe keinen Revue-Körper, aber ich kann Fußball spielen“, pflegte er zu sagen, und damit traf er den Nagel auf den Kopf. Denn Ettmayer besaß ein Talent, das seine körperlichen Voraussetzungen mehr als wettmachte: Technische Finesse, trickreiche Spielzüge und eine unglaubliche Schusskraft. In Innsbruck avancierte er schnell zum Publikumsliebling, maßgeblich an den ersten großen Titeln des Vereins beteiligt – 1970 der Pokalsieg, 1971 der Meistertitel.

Von stuttgart zur taschenbuchvertretung
Der Wechsel zum VfB Stuttgart im selben Jahr katapultierte ihn in die Bundesliga, wo er in 97 Spielen 34 Tore erzielte. Ein besonderer Moment: 1974, im Jahr der Weltmeisterschaft, traf er im Spiel gegen Eintracht Frankfurt zum 10.000 Tor der Bundesliga und trug so in die Geschichtsbücher ein. Doch die Zeit in Stuttgart endete mit dem Abstieg und einem hitzigen Disput mit Trainer Albert Sing: „Buffy, du spielst nicht, du bist zu dick“ – „Ich war schon immer so.“ – „Es gibt Bilder von dir, da warst du dünner“ – „Die sind wahrscheinlich mit einer Schmalfilmkamera gemacht.“
Seine Karriere führte ihn noch zum HSV, wo er zwar formell die größten Erfolge feierte, aber unter Trainer Kuno Klötzer nur sporadisch zum Einsatz kam. Nach einer Station in Lugano, beim Freiburger FC und in Rommelshausen, wo er jeweils als Spielertrainer tätig war, hing der Schuh dann endgültig an Haken. Stattdessen fand er eine neue Leidenschaft in der Taschenbuchvertretung, ein Job, der seinem rhetorischen Talent entgegenkam.
Auch wenn „Buffy“ Ettmayer mittlerweile der Älteste bei den Traditionsteams des VfB Stuttgart war, verpasste er nie eine Gelegenheit, bei einem Traditionsspiel dabei zu sein oder sich an seinem größten Vergnügen, dem italienischen Eis, zu laben. Denn wie 11 Freunde scherzhaft feststellte: „An guten Tagen, sagte er, haue er sich schon mal zehn Kugeln rein.“ Ein Mann, der das Leben und den Fußball auf seine ganz eigene Art und Weise genoss – und uns sehr fehlen wird.
