Baumann im tor: effenberg zweifelt laut – ist der wm-keeper wirklich bereit?
Oliver Baumann steht, mit 34 Jahren und vier Monaten endlich, im Tor der Nationalelf – und schon kocht die Diskussion. Stefan Effenberg schlägt im Sport1-Doppelpass den ersten Nagel ins Kreuz: „Du brauchst absolute Weltklasse im Tor. Warum wurde Argentinien Weltmeister? Nicht wegen Messi, sondern wegen Martinez.“ Die Botschaft ist klar: Baumann sei keine Martinez-Nummer.
Effenberg sieht „für und wider“ – und viele offene fragen
Der ehemalige Bayern-Kapitän zieht die Bilanz des Hoffenheimer Schlussmanns nüchtern: „Ordentliche Runde, kein Thema. Aber Weltspitze? Ich sehe ihn nicht dort.“ Der Knackpunkt: Baumann spiele bei der TSG „unter dem Radar“. Fehler würden weniger geprüft, Ausrutscher weniger geahndet. Das 0:5 gegen Leipzig ist Effenbergs Hauptzeuge: „Krasse Torwartfehler drin, keiner redet drüber.“
Bei Manuel Neuer würde nach dem zweiten Gegentor schon die Rente diskutiert werden, beim Neuen schweigt das Kollektiv. Alfred Draxler, Ex-Torwart und Co-Experte, untermauert: „Baumann fehlt die internationale Erfahrung. Die Unhaltbaren hält er nicht.“

Die stille vor dem sturm
Die DFB-Führung um Bundestrainer Julian Nagelsmann hatte Wochen lang nach einer Lösung gesucht, bis man beim ältesten Debütanten der Geschichte landete. Baumann selbst wirkt in jedem Interview entspannt, fast schon locker. Doch hinter den Kulissen wissen die Verantwortlichen: In Katar war Emiliano Martínez der Unterschied zwischen Achtelfinal-Aus und Trophäe. In Russland war es Hugo Lloris, der Frankreich trug. Wer trägt Deutschland?
Die Statistik liefert kein beruhigendes Bild: In den letzten zwölf Bundesliga-Spielen kassierte Hoffenheim 23 Gegentore, nur drei Teams waren schlechter. Baumann entschärfte 67 Prozent der Schüsse auf sein Tor – im Mittelfeld der Liga. Das ist keine Weltklasse, das ist solid, das ist Hoffenheim-Niveau.

Nagelsmanns risiko
Nagelsmann muss nun mit einem Keeper in die WM rennen, der nie ein Champions-League-Achtelfinale bestritten hat, nie ein Pokalfinale gewann, nie in einer Arena stand, in der 80 000 Zuschauer ihn zerreißen wollten. Die letzte echte Druckkammer war das Testspiel gegen Peru – und selbst dort rutschte ein Schuss durch die Hand, den man in Paris oder London nicht verzeiht.
Effenberg formuliert es so lapidar wie bissig: „Ich wünsche ihm, dass er das kann.“ Der Konjunktiv verrät alles. Die WM startet in acht Monaten. Baumann hat bis dahin noch sieben Bundesliga-Spiele, zwei Länderspiele und den halben Hoffenheimer Alltag, um zu beweisen, dass er mehr ist als die Notlösung, die niemand kritisiert, weil niemand sie richtig beobachtet.
Deutschland gewann seine letzten drei Titel mit Oliver Kahn, Jens Lehmann und Manuel Neuer – alle drei prägten das Gesicht einer Ära. Baumann muss nun beweisen, dass er nicht nur die Nummer eins ist, sondern auch die Aura. Sonst wird das Turnier schnell zum Martyrium – und die Debatte kehrt zurück, lauter als je zuvor.
