Handball-krimi vor em-quali: gislasons job steht auf messers schneide

Die Ampel steht auf Gelb-Rot. Noch bevor Deutschlands Handballer im März 2027 gegen Italien antreten, könnte Bundestrainer Alfred Gislason längst Geschichte sein. Sein Vertrag läuft direkt nach der Heim-WM 2027 aus – genau in dem Zeitfenster, in dem die Qualifikation für die EM 2028 ihre heißeste Phase erreicht. Der DHB will Klarheit „noch vor der WM“, doch hinter den Kulissen kocht das Personal-Poker bereits jetzt.

Die uhr tickt für gislason

Der Isländer selbst wirkt gelassen, fast schon resigniert. „Wenn sie meinen, sie wollen einen jüngeren Trainer – dann ist es halt so“, sagt er und liefert damit die Soundbites, die in den Agenturen sofort als Exit-Signal gelesen werden. Die verbale Schärfe kam zuletzt von Bob Hanning, der in der Bild-Kolumne die „Zukunft des Bundestrainers“ infrage stellte und damit den Bogen spannte vom sportlichen Disaster gegen Serbien bis zur Frage, ob Gislasons Konzept überhaupt noch trägt.

Ingrid Anderson-Jensen, seine eigene Managerin, kontert trocken: „Vielleicht hätte er sich lieber auf die Italiener konzentrieren sollen.“ Ein Satz, der intern für Zündstoff sorgt, denn er offenbart: Die Mannschaftsbildung ist längst nicht abgeschlossen. Hanning hingegen spricht von einem „Weckruf“ und betont, es gehe „nie um Personen, sondern um den Sport“. Doch genau das ist es, was die Debatte so giftig macht: Jeder redet über das System, jeder meint den Trainer.

Italiens traum vom mega-event

Italiens traum vom mega-event

Während der DHB intern über Nachfolgemodelle brütet, arbeitet Italien an seinem Image. Bob Hanning plant ein „großartiges Event“, eine „besondere Partie in einer großartigen Stadt“. Für den italienischen Verband ist das Duell mit dem Olympia-Zweiten mehr als nur Qualifikation – es ist ein Marketing-Schlager, der die Sportart beim Wachstumsknick unterstützen soll. Deutschland hingegen muss zunächst gegen Belgien und in der Slowakei antreten. Zwei Pflichtsiege, sonst wird der Druck auf Gislason unerträglich.

Der Spielplan liest sich wie ein Countdown: November 2026, März 2027, Mai 2027 – jedes Datum ein möglicher Schnittpunkt mit einer neuen Ära. Die Qualifikation wird in acht Vierergruppen ausgetragen, nur die besten zwei plus vier Gruppendritte rutschen ins Endturnier. Dänemark ist als Titelverteidiger bereits gesetzt, Spanien, Portugal und die Schweiz als Gastgeber ebenfalls. Für Deutschland bleibt also nur der sportliche Weg – und der führt zwangsläufig über Italien.

Die nachfolger-liste wird länger

Die nachfolger-liste wird länger

Intern kursieren Namen: Christian Prokop, Michael Biegler, Alf Reichert. Alle verfügen über Bundesliga-Erfahrung, alle sind jünger als Gislason. Der DHB-Sportvorstand Ingo Meckes spricht vorsichtig von einem „Prozess, der jetzt in Gang gesetzt wird“. Unterschwellig bedeutet das: Die Entscheidung fällt innerhalb der nächsten 100 Tage. Wer dann das Team gegen Italien betreut, ist offen – und damit auch die Frage, ob die Handball-Nation ihre Hausaufgaben vor oder nach dem Kracher erledigt.

Die Spieler halten sich raus. Juri Knorr dankt Gislason für „viel Vertrauen“, doch auch er weiß: In der Leistungssport-Welt zählt nur das Ergebnis. Und das steht auf dem Spiel, wenn Deutschland am 10. März 2027 in Mailand antritt. Dann könnte ein neuer Coach an der Linie stehen – oder ein alte, der seine letzte Chance nutzt. Die Antwort liefert der Countdown. Keine Retourkutsche, keine Rhetorik. Nur noch Tore, Sekunden, Punkte. Und am Ende zählt die Tabelle – nicht das Personal-Dossier.