Currys saison vor dem aus: kerr zieht notbremse – playoff-traum zerbricht am knie

Stephen Curry trägt seit sechs Wochen Straßenschuhe statt Sneakers. Seit dem 30. Januar hat der 36-Jährige kein NBA-Spiel mehr bestritten, und die Uhr tickt gnadenlos. Golden State hat nur noch acht Partien bis zum Ende der Hauptrunde, doch Coach Steve Kerr schickt eine klare Botschaft: Ein blindes Comeback für den Play-In-Tanz? Vergiss es.

Kerr sprach es gestern offen aus, was intern schon Tage durch die Halle flüsterte: „Wir würden ihn nicht nur für die Play-Ins zurückbringen. Er müsste vorher Spiele machen, um Rhythmus und Kontakt zu gewinnen. Die Zeit dafür wird knapp – sie läuft uns weg.“ Die Warriors liegen im Westen auf Platz zehn, zwei Siege hinter den Lakers. Das Restprogramm liest sich wie ein Who-is-Who der Conference: Denver, Cleveland, San Antonio, zweimal Lakers. Ohne ihren Anführer, der gegen Dallas am 30. Januar beim Rebound mit dem rechten Knie einknickte, wirken die Warriors plötzlich klein.

Das comeback rutscht weiter – und kerr rechnet hart

Currys ursprünglicher Plan sah Training in dieser Woche vor. Daraus wurde nichts. Stattdessen verlängerte das Medical Staff die Auszeit um mindestens zwei weitere Spiele. Die nächste Evaluation fällt nächste Woche – theoretisch bleiben dann nur noch fünf Matchdays. Intern hält man 35 Minuten Last für realistisch, sagt ein mit der Situation vertrauter Physio. „Mehr wäre fahrlässig bei einer entzündeten Patellasehne.“ Die Entscheidung liegt nicht beim Star, sondern bei der medizinischen Leitung. Dort ist man laut Insidern „alles andere als euphorisch“.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Mit Curry erzielten die Warriors 118,4 Punkte pro 100 Possessions – ohne ihn nur 109,2. Das ist der Unterschied zwischen Top-Five-Offense und Lottery-Niveau. In den 22 Partien seit seinem Aus fiel Golden State auf 9-13, die Dreierquote stürzte von 37,8 % auf 32,4 %. Andrew Wiggins und Klay Thompson wechseln sich in Heldenrollen ab, doch gegen die physischen Teams der West-Konferenz reicht das kaum.

Die front office-rechnung: risiko versus playoff-millionen

Die front office-rechnung: risiko versus playoff-millionen

Die Warriors verdienen pro Heimspiel in der ersten Runde rund 3,2 Millionen Dollar Arena-Umsatz. Fällt der Play-In-Run flach, fehlen mindestens zwei Heimspiele – ein Minus von 6,4 Mio. plus wegfallende TV-Prämien. Dennoch drängt GM Mike Dunleavy Jr. laut Vereinsquellen nicht auf ein Schnell-Comeback. „Wir reden hier über ein Franchise-Gesicht und fünf Jahre Vertrag. Ein halbes Dutzend Spiele jetzt können fünf Jahre später noch nachhallen“, sagt ein Scout. Die Knie-Forschung der letzten Jahre zeigt: Bei Rezidiven der Patellasehn-Entzündung verlängert sich die Rehab-Phase im Schnitt um 38 %.

Für die Liga ist die Situation ein PR-Desaster. Die NBA pries Curry vor Saisonbeginn als internationalen Magneten – ohne ihn bröckeln die TV-Quoten der Warriors um 14 % laut Nielsen. Die Partie gegen die Lakers am 9. April ist auf ABC terminiert, ein mögliches Play-In-Duell zwischen LeBron und Curry wäre ein Quotenhit. Doch genau dieses Szenario entgleitet Golden State gerade.

Die Stimmung im Training camp? „Nervös“, sagt Assistant Coach Bruce Fraser. „Die Jungs wissen, dass sie plötzlich die Jäger sind, nicht mehr die Gejagten.“ Brandin Podziemski, 20, soll Currys Ballhandlung übernehmen, aber er ist im Körper eines Rookies. Chris Paul, selbst mit 39 und Handgelenks-Platten, wirkt plötzlich wie der Erwachsene im Klassenzimmer. Die Defensive kollabiert in der zweiten Hälfte regelmäßig, weil Gegner Klay Thompson und Jordan Poole isolieren können, ohne Angst vor einem Switch auf Curry zu haben.

Die Uhr tickt, das Knie schwillt, die Konkurrenz wartet. Wenn Golden State die Play-In-Runde verpasst, wäre es das erste Mal seit 2020 – und diesmal ohne Draft-Lottery-Silberstreif. Die Saison kippt nicht mit einem Knall, sondern mit einem leisen Surren im MRI. Curry wird wieder auflaufen, das steht fest. Ob noch 2024, das entscheidet sich in den nächsten zehn Tagen. Die Warriors haben acht Spiele, ein angeschlagenes Genie und keine Zeit mehr für Poesie. Die Realität ist hart: Entweder das Knie oder der Playoff-Traum – beides zusammen geht diesmal nicht.