Bezzecchi zerlegt das motogp-feld – und seine heimlichkeit
Ein Sturz, zwei Stürze, drei Stürze – und am Sonntag trotzdem ganz oben. Marco Bezzecchi fuhr in Thailandien seine erste Saison-Sieg, nachdem er sich selbst und sein Boxen-Team am Vorabend noch abgeschrieben hatten.
Warum der 27-jährige trotz aprilia-panne plötzlich in einer muay-thai-robe feierte
Der Romagna-Bub mit dem Vater Vito im Schlepptau war schon Samstagabend am Boden – buchstäblich. Drei Crashs in der Qualifikation, kein Sprint-Punkt, Spotlights auf Marc Márquez, der ihn öffentlich verhöhnte. Bezzecchi zog sich zurück, fluchte auf Romagnolo („sgavagnare“) und murmelte: „Wenn’s morgen klappt, ziehe ich den Kimono an.“
Niemand nahm das ernst, bis er es tat. Sekunden nach dem Zieleinlauf schlüpfte er in die thailändische Boxrobe, grinste unter dem Helm und entschuldigte sich damit beim Social-Media-Team, das seinen Rückzieher vom Box-Comeback am Freitag vermasselt hatte. „Hat mir mein Dad heimlich rübergeschoben“, sagte er später, „als Versprechen.“
Die Geste passt wie das letzte Quartel des Rennens: Bezzecchi lies Fabio Quartararo und Francesco Bagnaia zwar vorbeiziehen, kam aber in den letzten drei Kurven zurück, weil er die Reifentemperatur besser im Fenster hielt. Aprilia-Techniker hatten ihm eine härtere Mischung aufgezogen, mit der er in den heißen Außenlinien Druck machen konnte. „Kein Setup für Helden, eins für Arbeiter“, sagte Boxenchef Francesco Venturato. „Und Marco ist ein Arbeiter.“
Daran erinnert auch sein Essen: Reis, Gemüse, Wasser – zwischen den Sessions, auf dem Kisten, neben dem Mechaniker. Keine Energy-Drinks, keine VIP-Lounge. „Wir sind Landeier“, sagte er nach der Zielfahrt im Sky-Interview. „Ich hab Lkw-Bremsen geschraubt, bevor ich Flügel bauen durfte.“
Diese Bodenständigkeit macht ihn für Aprilia zum idealen Anker. In der Ducati-Hochzeit 2023 lehnte er ein Werkssitzen ab, damit sein Crew zusammenbleibt. Jetzt unterschrieb er bis 2027 – mit einem Fake-Hochzeitsvideo, in dem er seine RS-GP „heiratet“. Die echte Familie steht daneben: Vito, einstiger Boxenwagen-Mechaniker, heute persönlicher Zeitnehmer. Ohne ihn fährt Marco keinen Meter.
Die Konkurrenz schaut nervös. Mit 25 Punkten Vorsprung nach einem Rennen ist Bezzecchi erstmals WM-Leader. Die Saison ist lang, aber seine Balance zwischen Humor und Präzision könnte der neue Maßstab sein. Wer ihn unterschätzt, endet wie Márquez: mit Asphalt im Helm und einem Romagnolo, der sich gerade „sgavagnat“ hat – frei übersetzt: der sich eben rausgewunden hat.
