Hamann zerreißt musiala: „bayerns michael jordan darf nicht ewig brauchen“
Jamal Musiala darf ran, wenn der BVB anreist. Die Fans jubeln, er kommt in der 68. Minute, und nichts passiert. Keine Dribbling-Feuerwerke, keine Lücke, die er reißt. Stattdessen steht er 22 Minuten auf dem Platz, in denen der FC Bayern nur noch verwaltet. Die Machtdemonstration in Dortmund (3:2) hat einen blassen Fußnote: Der teuerste Deutsche der Liga wirkt wie ein Fremdkörper.
Didi hamann zieht die reißleine
„Ich weiß nicht, was da los ist“, sagt Didi Hamann bei Sky90 und sortiert damit die Niederlage der Nerven in Wortform. Der Ex-Nationalspieler rechnet nicht mit Verletzungsdramen, sondern mit Zahlen. Musiala kam Mitte Januar zurück, neun Spiele später stehen drei Torbeteiligungen in der Statistik. Für einen Mann, der nach Vertragsunterzeichnung auf dem Gehaltszettel mit Harry Kane gleichzieht, ist das ein Armutszeugnis. „Wenn du der Bestverdiener bist, bist du irgendwo der Wichtigste. Dann hast du zwei, drei Spiele Zeit“, wettert Hamann.
Die Uhr tickt lauter als im Kabinenradio. Musiala kostet den FC Bayern angeblich rund 20 Millionen Euro brutto pro Jahr. Umgerechnet sind das 65.000 Euro pro Kalendertag – ob er spielt oder auf der Bank verdustet. Die Geschäftsführung verkaufte den neuen Kontrakt als Zeichen der Identität. Doch Identität funktioniert nur, wenn der Junge auch Identität spielt.

Lennart karl ist der elefant im raum
Hamann spart nicht mit Vergleichen. „Eigentlich muss Lennart Karl kommen vor Musiala“, donnert er und wirft damit das größte Talent seit Musiala selbst in die Waagschale. Karl, 18, frisch aus der U19, schnellte in der Vorbereitung die Blitzlichter der Scouts an. Gegen Dortmund saß er 90 Minuten auf der Bank, während Musiala Luftlöcher lief. Die Entscheidung Kompany ist politisch: Musiala verkauft Trikots, Karl verkauft noch keine.
Die Folge ist ein Dilemma mit Halbwertszeit. Bayern gewinnt auch ohne den Superstar, die Liga ist längst entschieden, dennoch wird jedes Musiala-Zuspiel auseinandergenommen wie ein Rohdiamant. Die Analysten zählen Ballkontakte, die Fans zählen Tore, Hamann zählt Tage. „Er ist der Michael Jordan von Bayern München. So wird er bezahlt. Ich frage mich, wann er der Mannschaft wieder helfen will.“
Die Antwort liegt im Trainingszentrum. Musiala arbeitet nach Angaben des Clubs an Sprintwiederholungen und Kraftausdauer. Die Wadenfraktur ist abgeheilt, die Spielintelligenz nicht. Gegner lassen ihn laufen, weil sie wissen, dass der erste Kontakt noch nicht der alte ist. Die nächsten Gegner lesen Hamanns Kommentare mit, sie werden den Ball doppelt deckeln, sobald Musiala ihn berührt. Druck ist kein Fremdwort mehr, sondern sein täglicher Begleiter.
Die Geschichte endet nicht mit einem Happy-Pflichtschluss. Sie endet mit einer Weichenstellung. Entweder Musiala findet in den nächsten drei Partien seine explosive Gangart wieder – oder Karl bekommt den Platz, den seine Leistung längst fordert. Dann wird der „Michael Jordan“ plötzlich zur teuersten Ersatzbank der Bundesliga-Geschichte. Die Uhr tickt, der Markt auch. Und in München weiß man: Superstars werden nicht geduldet, sie werden erwartet.
