Dotchev zittert: ulm-pleite wirft trainer in identitätskrise
Pavel Dotchev stand am Rande des Donaustadions, und seine Stimme brach. „Ich habe immer gedacht, dass ich die Kurve kriege“, sagte er, aber die Worte klangen wie ein Geständnis. Nach dem 1:3 gegen Hoffenheim II ist der SSV Ulm nicht nur Tabellenletzter – sein Coach ist plötzlich ein Mann, der an sich selbst zweifelt.
Der februar war als befreiung geplant
Intern hatten die Ulmer den Monat als „Endspielmarathon“ betitelt: Aachen, Saarbrücken, Regensburg – alles direkte Konkurrenten. Drei Gegner, neun mögliche Punkte. Am Ende standen magere zwei Zähler. Der Abstand zum rettenden Ufer: fünf Punkte. Die Statistik, die Dotchev selbst bemüht, ist gnadenlos: 45 Punkte sichern den Klassenerhalt, Ulm fehlen noch 22 – bei nur noch elf Spielen. Die Kurve? Die sieht mehr wie eine Abstiegsrampe aus.
Die Hoffnung kam mit dichtem Nebel und einem Freistoß. Leon Dajaku donnerte die Kugel in der 10. Minute in die Torwartecke, Petersson in TSG-Goal war chancenlos. Die Ulmer-Fans rissen die Armen hoch, im Stehblock klang es kurz nach Befreiung. Doch schon vor der Pause schlichen sich die alten Muster ein: Zu viel Platz zwischen den Ketten, zu wenig Druck auf dem Flügel, zu viel Respekt vor einem Team, das bis dato die schwächste Rückrunde der Liga gespielt hatte.

Die selbstzweifel des pavel dotchev
„Das ist uns – oder mir – nicht gelungen“, korrigierte Dotchev sich selbst, während er das Mikrofon von MagentaSport wie einen Schuldbeweis hielt. Dreimal wiederholte er das Wort „bis jetzt“, als wolle er sich selbst eine letzte Frist setzen. Die Spieler mussten unter Pfiffen in die Kurve, der Trainer sprach von „Schmerz“ und „Vertrauen, das ich nicht zurückzahle“. Es klang nach einem Abschied, nur ohne Datum.
Dabei war Dotchev die Konstante in einer Saison, die schon zwei Trainerwechsel gesehen hat. Robert Lechleiter flog nach sechs Spielen, Moritz Glasbrenner nach acht. Dotchev kam im Oktober und verordnete der Mannschaft ein einfaches Credo: Ballbesitz, Kompaktheit, Mut. Was übrig blieb, sind 18 Punkte aus 17 Partien und eine Elf, die sich in kritischen Situationen wie ein Kollektiv ohne Leitbild bewegt.

Schweinfurt wird zur endstation
Am Samstag gastiert Ulm beim Tabellenletzten 1. FC Schweinfurt. Das klingt nach Geschenk, ist aber ein Match auf dem Vulkan. Verlieren die Ulmer dort, beträgt der Rückstand auf den Relegationsplatz voraussichtlich acht Punkte – bei nur noch zehn Spieltagen. „Wenn wir da gewinnen, sieht es vielleicht schon wieder etwas besser aus“, sagte Dotchev. Es war dieselbe Phrase, mit der er vor Hoffenheim II warb. Die Wahrheit spricht eine andere Sprache: Ulm muss seinen Punkteschnitt von 0,8 auf 2,0 verdoppeln, will der Club nicht 2022-2024 rückwärts abspulen.
Die Fans fordern keine Tiki-Taka-Show, sie fordern Leidenschaft. Die Mannschaft liefert Passivität. Die sportliche Leitung um Geschäftsführer Stephan Schwarz schwieg nach dem Spiel, was in Ulm selten ein gutes Zeichen ist. Dotchev selbst? Er will weitermachen. „Ich mache mir keine Sorgen“, sagte er, aber seine Augen wirkten müde. Der März wird entscheiden – für Ulm und für einen Trainer, der plötzlich nicht mehr an der Kurve, sondern an sich selbst zweifelt.
