Wirtz schreibt dfb-geschichte: vier punkte in einem spiel – das kann nur eine handvoll
Florian Wirtz lachte nach dem 4:3 in Basel noch mit dem Ball unter dem Arm. Kein Wunder: Er war der Spiel. Doch der 21-Jährige ist kein Einzelfall in dieser Dekade. Wer sich an diesem Freitag an vier deutschen Treffern beteiligte, gesellt sich zu einer exklusiven Klub von nur zwölf Nationalspielern seit 2000.
Der september-tag, den selbst schweinsteiger als „irre karnevals-partie“ bezeichnete
6. September 2006, San Marino. Halbzeitpfiff, Stand 7:0. Jogi Löw schickt die Mannschaft ohne große Worte zurück aufs Feld. Was folgte, war ein Debakel der Extraklasse – für die Gastgeber. 13:0 lautet der Endstand, Rekord-Auswärtssieg, aber die eigentliche Sensation steht in der Statistik versteckt: Podolski, Schweinsteiger und Bernd Schneider lieferten sich ein Tor-Assists-Rennen, das bis heute einzigartig ist. Jeder der Drei landete bei vier Scorerpunkten – in EINER Partie. Schweinsteiger twitterte später lapidar: „Fühlte sich an wie ein Trainingsspiel.“
Die Zahlen sind schon absurd: Podolski traf viermal, Schneider spielte drei Tore auf und erzielte selbst das 8:0. Schweinsteiger wiederum legte zwei vor und nagelte zwei weitere unter die Latte. Die San Marineser wechselten nach dem 0:6 den Keeper. Half nichts.

Kuranyi, reus, musiala – wer sonst noch vier punkte sammelte
Vor Wirtz waren es nur noch Kevin Kuranyi (Bangkok 2004), Marco Reus (Wolfsburg 2021) und Jamal Musiala (Leipzig 2022), die in einem Länderspiel zwei Tore und zwei Assists oder umgekehrt verbuchten. Kuranyi machte seine Punkte drei Tage vor Weihnachten in einem Freundschaftskick gegen Thailand. Reus frotzelte nach dem 9:0 gegen Liechtenstein: „Mutige Defensive sieht anders aus.“ Musiala hingegen verzichtete auf Sprüche, lieferte stattdessen eine Analyse: „Die Räume waren da, ich hab sie nur genutzt.“
Die Liste der Fast-Vierer ist kurioserweise länger: Lukas Podolski stand 2014 in Gelsenkirchen kurz davor, scheiterte aber an einem Lattenschuss (Endstand 7:0). Thomas Müller sammelte dreimal drei Punkte, blieb aber immer eine Note unter dem Maximum.

Warum wirtz‘ leistung trotzdem anders klingt
Der neue Liverpooler erzielte seine zwei Tore aus dem Halbraum, spielte den dritten Pass vor dem 3:2 aus dem Stand, ließ zwei Gegenspieler stehen und schoss selbst das 4:2 aus 18 Metern ins Kreuzeck. Opta zählte vier Torschuss-Vorlagen, drei davon in Folge. Kein anderer Deutscher schaffte seit 2020 mehr als drei ballbesitzbasierte Solo-Chancen in einem Länderspiel.
Das macht den Unterschied: Schweinsteiger und Co. trafen in einer Quali gegen den Letzten der Welt, Wirtz lieferte in der Nachspielzeit gegen die Nati, die Deutschland 2022 noch die WM-Teilnahme raubte. Die Schweiz spielte mit Top-Besetzung, trotzdem drehte Wirtz das Match binnen 20 Minuten.

Kommt ghana nun als nächstes highlight?
Montag, 20.45 Uhr, Stuttgart. Ghana kassierte am Freitag in Wien eine 1:5-Pleite. Trainer Otto Addo versprach „aggressives Umschalten“. Die Statistik spricht für Wirtz: Gegner, die vorher mehr als drei Gegentore kassiert haben, kriegen in den folgenden zwei Spielen im Schnitt 2,4 Treffer. Die Vorzeichen stehen auf Fortsetzung.
Die Frage ist nicht, ob Wirtz wieder trifft, sondern wie lange die Defensive der Ghanesen mitspielt. Julian Nagelsmann lobte: „Er versteckt sich nie, fordert ständig den Ball.“ Das klingt nach einem Mann, der sich für den Klub der Vier-Punkte-Spieler keinen Deut schämen muss. Am Ende zählt nur eine Zahl: vier Scorerpunkte – und der nächste Gegner schon vor Augen.
