Axa bleibt: schweizer frauenfussball bekommt vier weitere jahre volle power

Am Sonntag, kurz vor dem Cupfinal der Frauen, schlug der Schweizerische Fussballverband (SFV) einen Doppelpass: Er sicherte sich nicht nur den Pokalsieg im Blick, sondern auch die Zukunft der AXA Women’s Super League. Die Versicherungsgruppe verlängert ihre Titelsponsoring-Partnerschaft bis 2028 – ein klares Bekenntnis gegen den grassierenden Sponsoren-Rückzug im europäischen Frauenfussball.

Claudio de capitani/freshfocus

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Die Kasse klingelt, die Planungssicherheit steigt. Mit der Vertragsverlängerung fliessen erneut Millionenbeträge in TV-Präsenz, Nachwuchsprogramme und Infrastruktur. Andrea Prange, Mitglied der AXA-Geschäftsleitung, formuliert die Marschrichtung unmissverständlich: „Wir wollen die Liga sichtbarer machen als je zuvor.“ Konkret bedeutet das: mehr Mainstream-Sendeplätze, grössere Social-Media-Budgets und ein eigenes Leistungszentrum für Spielerinnen, das 2025 in Zürich eröffnen soll.

SFV-Präsident Peter Knäbel spricht von „strategischer Weitsicht“. Tatsächlich dürfte die Verlängerung Signalwirkung über die Landesgrenzen haben. Während Deutschlands Frauen-Bundesliga mit halbleeren Gaunern kämpft und Frankreichs Klubs nach dem Wegfall von CVC-Geldern jammern, positioniert sich die Schweiz als stabiler Wachstumsmarkt. Die Liga verzeichnet seit 2020 ein Plus von 34 Prozent bei Zuschauerzahlen – Tendenz steil nach oben.

Doch der Deal ist mehr als ein finanzielles Polster. Er ist politisches Statement. Knäbel nennt drei Stichworte: Gleichstellung, Professionalisierung, Nachhaltigkeit. Gemeint ist: gleiche Trainingszeiten, identische Reisekonditionen wie die Männer und langfristige Verträge stattt jährlicher Kurzzeit-Patches. Die AXA übernimmt dabei nicht nur die Kasse, sondern auch das Coaching: Führungskräfte des Konzerns bilden künftig Spielerinnen in Medientraining und Finanzkompetenz weiter – parallel zur Ausbildung als Fussballprofi.

Die Reaktion der Klubs liess nicht lange auf sich warten. Yvonne Hasler, Geschäftsführerin des YB Frauen, twitterte binnen Minuten: „Endlich Planbarkeit.“ Ihr Verein kann nun langfristige Etats aufstellen und Talente vertraglich absichern, statt sie mit Lockangeboten aus Deutschland oder Spanien zu verlieren. Auch Servette-Chef Fabrice Herzog jubelt: „Der Schritt macht die Liga konkurrenzfähiger auf europäischer Bühne.“

Kritiker mögen einwenden, vier Jahre seien ein Tropfen auf den heissen Stein. Doch die Zahl 1,7 Millionen Franken pro Saase spricht eine andere Sprache. Sie ermöglicht unter anderem 18 Vollzeitstellen für Physiotherapeutinnen, Videoanalystinnen und Scoutingspezialistinnen – ein Luxus, den sich vor fünf Jahren noch kein Schweizer Klub leisten konnte.

Am Sonntagabend, nach dem Cupfinal, standen die Spielerinnen des Siegerteams nicht nur mit Pokal vor den Kameras. Hinter ihnen leuchtete das AXA-Logo – hell, klar, unmissverständlich. Der Verband hatte sich nicht nur einen Tag, sondern gleich vier Jahre versichert. Und die Botschaft war lauter als jedes Kommuniqué: Frauenfussball in der Schweiz ist kein Kurzzeit-Experiment mehr, sondern ein Geschäftsmodell mit Perspektive.