Usa-debakel gegen belgien: 2:5-klatsche weckt wm-angst

Die Nacht, in der der künftige WM-Gastgeber sich selbst als Fremder erkannte. 2:5 gegen Belgien, das erste Mal seit 65 Jahren, dass die USA ein Heimspiel nach Führung mit drei Toren Differenz verlieren. Christian Pulisic traf nicht, sah aber trotzdem scharf: Die Trikot-Kollision war keine Ausrede – nur ein zusätzlicher Stolperstein.

Pochettino zieht bilanz: „schmerz ist gut“

Mauricio Pochettino stand nach Abpfiff in der Mixed-Zone, die Stimme rau wie nach 90 Minuten in einem Sandsturm. „Manchmal tut es gut, den Schmerz zu spüren“, sagte er und ließ die Silbe „gut“ absichtlich hängen, als wolle er sie gegen das Ergebnis pressen. Sein Blick schweifte nicht, die Hände steckten tief in den Taschen. Die Statistik, die ihn umtreibt: Erste Halbzeit 1:1, zweite Halbzeit 0:4. Kein Ballgewinn im letzten Drittel zwischen Minute 55 und 75. Die belgische Presse sprach von „Choreographie“, die amerikanische von „Katastrophe“.

Weston McKennie hatte die Führung erzielt, aber seine Jubel-Geste verpuffte im Stadiondonner, der schon nach dem Anschlusstor der Roten Teufels erklang. Pulisic‘ verfehlte Großchance in der 52. Minute markierte den Punkt, an dem die Energiekurve der US-Boys abprallte wie ein Tennisball gegen die Betonwand. Pochettino nannte sie „den Wendepunkt, den wir nicht verhindern konnten“.

Trikot-chaos: „so etwas darf nicht passieren“

Trikot-chaos: „so etwas darf nicht passieren“

Als die Jacken fielen, stockte selbst der Stadion-DJ. Beide Teams traten in nahezu identischen Rottönen an – ein optisches Déjà-vu, das keiner bestellt hatte. Pulisic‘ Worte klangen danach wie ein verärgertes Schulterzucken: „Keine Entschuldigung, aber es erschwert die Split-Second-Entscheidung.“ Die Schiedsrichter aus Uruguay hatten laut ESPN den üblichen Multistep-Check abgenommen, warnten aber nicht. McKennie berichtete, dass Mitspieler in 50:50-Situationen zweimal hinsahen – „und dann war der Gegner schon weg“.

Die FIFA-Vorschrift Nr. 4, Kapitel 3, lautet eindeutig: klare Farbkontraste. Die Umsetzung indes scheiterte an diesem Abend an der Praxis. Die US-Federation will interne Konsequenzen prüfen, will künftig ein Trikot-Exempel statuieren. Pulisic‘ Forderung: „Bei der WM wäre so ein Patzer ein Ticket nach Hause.“

Pulisics torflaute: 630 minuten ohne treffer

Pulisics torflaute: 630 minuten ohne treffer

Seit dem 1:0 gegen México im März 2024 wartet der Chelsea-Mann auf einen LänderspieltTreffer. Sein letztes Klubtor datiert vom 26. Februar. Die Zahlen nageln ihn ans Kreuz, doch die Videos zeigen mehr: Zwei Ballgewinne im Mittelfeld, drei Pressing-Sprints, nur eine gelungene Dribbling-Statistik. „Ich muss kaltschnäuziger werden“, sagt er selbstkritisch. Die Frage ist, ob er bis Sommer 2026 wieder Feuer fängt oder ob die Druckwelle ihn lähmt.

Belgiens Trainer Rudi Garcia lobte indirekt: „Die USA waren besser als das Ergebnis.“ Gemeint ist: Das Spiel war offen, bis die individuelle Klasse von Lukaku & Co. den Zahnriemen der Amerikaner durchriss. Die Torschützen De Bruyne, Trossard und Openda standen nach jedem Treff kurz still – wie Jäger, die nicht glauben wollen, dass die Beute so leicht war.

Ausblick: portugal droht nächste lektion

Ausblick: portugal droht nächste lektion

Mittwoch, 1 Uhr Ortszeit, gleiches Stadion. Portugal gastiert und bringt Ronaldo, Leão und einen Neusturm mit. Die US-Boys müssen innerhalb von 72 Stunden umlernen: Pressing-Koordination, defensive Rückholbewegungen, Chancenverwertung. Pochettino kündigt Rotation an: „Wer nicht laufen will, läuft nicht.“ Die Fans fordern Antworten, nicht nur Effort. Eine weitere Niederlage würde die Vorfreude auf 2026 in ein Zwiegespräch verwandeln zwischen Euphorie und Existenzangst.

Die Klatsche gegen Belgien war kein Warnschuss mehr – es war der Knall, der durchs Sommertor der Vorbereitung zischt. Die Zeit läuft. Die WM rückt näher. Und die USA müssen beweisen, dass sie sich nicht nur an die Farben ihrer Trikots erinnern, sondern auch an die Farbe der Blutgrätsche, die sie einst ausmachte.