Esteban lepaul: vom amateurfeld zur ligue-1-torschützenkönig in nur 900 tagen
Esteban Lepaul jagt den Ball und seine Vergangenheit. 19 Treffer, Platz eins der Torjägerliste – und das, nachdem er vor drei Jahren noch in der vierten französischen Liga spielte und die Schmach trug, selbst die Abschaltung lebensrettender Maschinen seines Vaters unterschrieben zu haben.
Der vater, der vom himmel fiel
Fabrice Lepaul war 1996 Meister mit Auxerre, 20 Jahre alt, linksaußen so schnell, dass selbst Guy Roux schwärmte. Dann ein Unfall, 15 Tage Koma, Schädeldecke fast vollständig abgelöst. Die Ärzte prophezeiten: Rollstuhl. Er kam zurück, aber ohne Hunger. „Der Ball war sein Leben, plötzlich war er nur noch ein Gegenstand“, sagt Esteban später. Fabrice beendete mit 29 seine Karriere, zog sich ins Privatleben zurück. Am 7. Oktober 2020 krachte er erneut, diesmal bleibt das Hirn aus. Esteban, 20, unterschreibt die Sterbeerkärung am selben Tag, an dem Olympique Lyon ihm mitteilt, dass der Vertrag nicht verlängert wird.

Sturz in die provinz und befreiung
Er unterschreibt in Épinal – Kreisliga, 3.500 Zuschauer, Kunstrasen. Dort, wo der Vater einst entdeckt wurde, jagt der Sohn die Geister weg. 12 Tore in 16 Spielen 2023/24, Transfer nach Angers für lächerliche 150.000 Euro. Aufstieg, neun Treffer in Ligue 1, Vertragsverlängerung, dann der Knaller: Stade Rennes zahlt 13,5 Millionen. Die Amortisation läuft über Instagram-Likes: jedes Tor ein Bild von Fabrice, Esteban blickt gen Himmel.

Die zahlen, die deschamps nervös machen
19 Saisontore, er trifft alle 104 Minuten, nur Mbappé, Dembélé und Lacazette waren in den letzten Jahren besser. Seine xG-Quote liegt bei 0,47 pro Schuss – ein Wert, den sonst nur Spitzenstrafraumfüchse erreichen. Dazu 6 Assists, 26 Klaviertasten-Pässe in den Lauf, Zweikampfquote 54 %. Hugo Ekitike fällt für die Nations-League-Final Four aus, Adil Rami schlägt seinen Namen öffentlich vor. Im Trainingszentrum Clairefontaine kursiert intern schon ein Spitzname: „Lepaul le Revenant“ – der Wiedergänger.

Rennes, europa und das gespenst psg
Mit vier Spieltagen vor Saisonende steht Rennes auf Rang drei, drei Punkte vor Brest. Die Champions-League-Rückkehr nach 2023 winkt, und das mit einem Etat, der kleiner ist als ein einziges PSG-Taschengeld. Trainer Julien Stéphan – kein Verwandter – baut sein Pressing auf Lepauls Gegenpressing aus. Wenn der Stürmer auskurvt, rückt die ganze Mannschaft mit. Die Fans skandieren „Fabrice, Fabrice“ und wissen genau, warum.

Stefan fischer kommentiert
Ich habe Lepaul in Angers gesehen, wie er gegen Marseille den Ball aus 18 Metern in den Winkel zimmerte – und dann einfach weiterspielte, als hätte er nur einen Kasten Wasser getragen. Kein Selbstinszenieren, kein Instagram-Tanz. Nur diese stumme Geste zum Himmel. Wenn Deschamps ihn nicht nominiert, ist es kein Drama – er hat schon das größte Match gewonnen: gegen das Leben, das ihm dreimal den Ball weggenommen hatte. Und jetzt schießt er eben zurück. 19-mal bislang. Die Saison ist noch nicht vorbei.
