Widmer packt aus: so rettet mainz 05 sein tor mit blanker willenskraft
Der 1. FSV Mainz 05 hat in Bremen nicht schön gespielt, aber er hat gespielt – wie eine Mannschaft, die weiß, dass drei Punkte mehr zählen als drei Pässe. Kapitän Silvan Widmer lachte nach dem Abpfiff nicht über ein Kunststück, sondern über eine Notlösung, die funktionierte.
Die tugend heißt: verteidigung bis zur parade
„Wir haben unser Tor mit aller Macht geschützt“, sagte der Schweizer, und man glaubt ihm jedes Wort. Mainz stand tief, manchmal bis zur Mittellinie zusammengedrängt, ließ den Ball laufen – solange er nicht gefährlich wurde. Dann war Schluss. Zweikampfquote: 62 %. Ballbesitz: nur 43 %. Trotzdem stehen die Nullfünfer nach dem 1:0 in der Weser-Stadt einen Punkt vor dem Strudel.
Trainer Urs Fischer hat aus der Not eine Tugend gemacht. Sein System: kompakt, klar, ohne Firlefanz. Jeder kennt die Position, jeder kennt den Moment, in dem er das Spiel unterbrechen muss. „Wir machen keine wilden Sachen“, bestätigt Widmer. Die Statistik gibt ihm recht: Bremen kam auf nur 0,8 xG – ein Wert, der selbst in der Bayern-Reserve für Lacher sorgt.

Nebel statt nebel – paul wird wieder zum punktesammler
Dass ausgerechnet Paul Nebel den Siegtreffer schoss, passt ins Bild. Der 22-Jährige war lange Zeit ein Schatten des letztjährigen Shootingstars. Jetzt jagt er Bälle, statt sie zu zieren. „Er liefert Woche für Woche Topleistungen ab“, sagt Widmer. Die Zahlen: drei Tore in den letzten vier Spielen – mehr als in den 20 Partien davor zusammen.
Hinter den Kulissen sprach der Kapitän mit ihm. „Jeder Fußballer kennt Tiefen“, erinnert sich Widmer an seine eigene Bank-Saison 2024/25. „Wichtig ist, dranzubleiben.“ Nebel blieb dran. Mainz bleibt drin.

Verletzungs-comeback der anderen art
Während Silas mit Schien- und Wadenbeinbruch flugzeugreif ist und Nadiem Amiri neu fehlt, rotiert Fischer wie ein Uhrwerk. 20 Spieler mit Startelf-Niveau – so zumindest die interne Rechnung. Die Breite wird zum Lebenselixier. Gegen Bremen rückte Phillipp Mwene für Grüll-Angreifer links, und selbst eine Stadttaube wurde zur Assistentin: Sie irritierte den Bremer Einwurfgeber, Sekunden später lag der Ball im Netz.
„Die Taube hat noch die Kurve gekriegt – wir auch“, scherzt Widmer. Der Kapitän weiß: Der Abstiegskampf ist keis Wellness-Wochenende, sondern ein Sechs-Kämpfe-Programm bis Mai. Die nächsten Gegner: Heidenheim, Bochum, Freiburg. Alles Teams, die sich ebenfalls die Daumen vertreten.
Mainz hat sich eins zurückgeholt, was in der Rückrunde selten war: Selbstvertrauen. Die Tabelle lügt nicht, aber sie schwindelt manchmal. Noch sieben Spiele, noch sieben Mal „Tor mit aller Macht“. Dann fliegt vielleicht nicht nur die Taube, sondern der ganze Verein raus aus dem Strudel. Die Willensfrage ist beantwortet. Die Punkte müssen folgen.
