Bischofs analyse schlägt fehl: kompany stellt bayern-star öffentlich zurecht

München – Ein Patzer nach dem Sieg: Tom Bischof, junger Profi des FC Bayern, hat nach dem knappen Erfolg gegen Wolfsburg öffentlich seine Sicht auf die defensiven Schwächen der Mannschaft dargelegt. Trainer Vincent Kompany ließ ihm prompt die Leviten lesen – mit deutlichen Worten, die im Sky-Interview für Aufsehen sorgten.

Die ursachen für die wackelnde abwehr

Nach dem 1:0-Auswärtssieg bei Wolfsburg versuchte Bischof, die jüngsten Probleme der Bayern in der Defensive zu erklären. Er beklagte fehlendes Gegenpressing und mangelnde Grundausbildung, sprach von „langen, unnötigen Wegen“ und deutete an, dass die lange Saison an den Kräften zehre. „Es ist immer schlecht, wenn man so viele Chancen und Gegentore bekommt“, so der 20-Jährige.

Was niemand so offen aussprach: Bischof hatte die Partien gegen PSG und Mainz von der Bank aus verfolgt und offenbar die gleichen Muster erkannt, die nun auch im Spiel gegen Wolfsburg zu beobachten waren. Ein gewagtes Unterfangen, sich als Nachwuchsspieler zu Wort zu melden und die Spielidee des Trainers öffentlich zu hinterfragen – ein Risiko, das sich als fatal erweisen sollte.

Kompanys klare ansage

Kompanys klare ansage

Vincent Kompany ließ die Bemerkungen seines Schützlings nicht unkommentiert. Bereits am Spielfeldrand, während Bischofs Ausführungen gesendet wurden, machte der Coach deutlich, was er von der Analyse hielt. „Nein, natürlich nicht. Er ist ein junger Spieler und hat in diesem Interview einen Fehler gemacht“, entgegnete Kompany schmunzelnd, aber bestimmt.

Er erklärte, dass die wackelnde Abwehr in Wolfsburg vor allem auf zu viele Ballverluste zurückzuführen sei. „Du kannst nicht hundertmal Gegenpressing spielen, wenn du immer schnelle Ballverluste hast“, stellte er klar. Vielmehr sei es wichtig, die Geduld zu bewahren und nicht in den ersten Minuten „drei, vier Tore schießen zu wollen“, um den Gegner früh unter Druck zu setzen. Die Bayern hätten in den ersten 10, 15 Minuten ihre Geduld verloren und so das Momentum an Wolfsburg abgegeben.

Hamanns kritik und kompanys gesunde arroganz

Hamanns kritik und kompanys gesunde arroganz

Auch Sky-Experte Dietmar Hamann hatte bereits vor dem Spiel die Problematik angesprochen und die Frage aufgeworfen, ob die Bayern versuchen müssten, das Spiel in den ersten 20 Minuten zu entscheiden. Kompany hingegen zeigte Verständnis für die „gesunde Arroganz“, die entsteht, wenn eine Mannschaft fast 120 Tore schießt und davon ausgeht, dass jeder Ball im Tor landet. „Aber das ist falsch, falsch, falsch“, so der Coach.

Kompany betonte, dass es wichtig sei, den Ball laufen zu lassen und die Gegner müde zu spielen. Er kündigte ein Gespräch mit Bischof an, zeigte aber auch Verständnis für die notwendige Rotation, insbesondere nach den anstrengenden Spielen gegen Paris Saint-Germain. „Ich werde auf jeden Fall noch einmal mit ihm reden. Ich bin mir sicher, dass er in ein paar Jahren genau das Gleiche sagen wird.“

Die Partie in Wolfsburg verdeutlichte: Auch ein deutscher Meister muss sich immer wieder neu beweisen und darf sich auf seinen Lorbeeren ausruhen. Die kommenden Spiele werden zeigen, ob Kompany es gelingt, die Defensive zu stabilisieren und die jungen Spieler wie Bischof in den richtigen Bahnen zu lenken.