So entsteht glanz auf dem eis: minerva hases kostümmacherin packt aus
Berlin – 1.500 Euro für ein Kleid, das kaum 400 Gramm wiegt und trotzdem jeden Fehltritt bestraft. Britta Gericke lacht, als sie die Zahl nennt. „Viel hilft viel“, sagt die Kostümdesignerin von Minerva Hase und Nikita Volodin. Im Gespräch mit rbb|24 enthüllt sie, warum ein einzelner abgefallener Pailletten-Fetzen auf dem Eis tödlich sein kann.
Vom tanzbod en zum olympia-eis
Gericke ist keine Fremde im Geschäft. Sie war Turniertänzerin, schneiderte sich ihre Röcke selbst und lernte das Handwerk in der Maßschneiderei. Der Sprung in den Eiskunstlauf kam über ihre Tochter – und blieb. Seit zwölf Jahren kleidet sie Hase ein, seit der ersten Partner-Runde mit Nolan Seegert. „Ich kenne jede Kurve von Minervas Taille“, sagt sie. Das spart Zeit, denn die ist knapp: Zwischen Musik-Entscheidung und Weltcup-Auftakt liegen selten mehr als acht Wochen.
Die Sportler kommen ins Atelier, erzählen vom Thema der Kür – Nussknacker, Romeo, Tango. Gericke hört die Musik, reißt ein Blatt Papier aus dem Block und kritzelt. „Ich sehe sofort die Farbe, die Bewegung, das Licht“, sagt sie. Danach geht’s in ihr „Kabuff“: Stoffreste, Strass, Perlen, alles sortiert nach Farbe. „Ich lege die Steine direkt auf das Papier, bis das Kleid glitzert, bevor es existiert.“

Warum federn verboten sind und lycra alles rettet
Das Material muss dehnbar sein, aber nicht nur deshalb. „Wir nähen mit Stoff, der sich wie eine zweite Haut anzieht“, erklärt Gericke. Chiffon für Fließbewegungen, Satin für Glanz, Lycra für die Sprünge. Federn? „Verboten. Fallen die ab, rutscht das Blad ein, und die Pirouette endet im Krankenhaus.“ Deshalb setzt sie auf Strass: 3.000 Steine pro Kleid, alle per Hand aufgestickt. Ein Kostüm wiegt am Ende weniger als eine Banane, kostet aber so viel wie ein kleines Motorrad.
Die Hose für Volodin? Auch die schneidern sie. „Ich bin keine Herrenmaßschneiderin, aber ich kenne die Drehung seines Hüftknochens“, sagt sie lachend. Klassisch schwarz, dafür mit 1.200 Kristallen – „damit er unter Spotlights nicht untergeht“.

Bronze reicht nicht, aber die rose heißt minerva
Bei Olympia in Mailand wurde es Bronze. Gericke saß vor dem Fernseher, „aber ich schaue nie auf die Wertung. Ich zähle Steine, ob noch welche fehlen.“ Nach der Kür schickte Hase ein Foto: ihre Hasen Schorni und Eminem, auf dem Rücken ein Strass-Pflaster in Form der Eisfläche. „Wir tauschen Hasen-Bilder, seit sie zwölf ist“, verrät Gericke. Eine Rose im Garten heißt inzwischen Minerva – „weil sie trotz Dornen glänzt“.
Ob Gold in vier Jahren? „Aljona Savchenko hat drei Anläufe gebraucht“, sagt Gericke. „Minerva und Nikita haben gerade erst begonnen.“ Bis dahin liegt schon das nächste Kleid auf dem Tisch. Die Musik läuft, das Papier ist raus. Und draußen wartet das Eis, bereit, das Licht zu schlucken und die Steine zum Funken zu bringen.
