Wetzlar stürzt, stuttgart droht: hsg muss jetzt zittern oder fliegen

Die HSG Wetzlar liegt am Boden – 27:41 in Mannheim, Tabellenletzter, acht Spieltage Rettung. Gegen Stuttgart am Gründonnerstag geht es nicht um Punkte, sondern darum, ob die Zweitliga-Meldung nur ein Papier bleibt oder zur bitteren Realität wird.

Sigtryggsson spricht klartext: «wir kassieren demütigung um demütigung»

Trainer Rúnar Sigtryggsson redet nicht lange rum. «Wir haben auf die Fresse bekommen», sagt er über die Abreibung in Mannheim. Die Worte klingen, als hätte sich jemand endlich die Maske runtergerissen. 26 Spiele, vier Siege, zwei Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz – das ist keine Phase mehr, das ist ein freier Fall. Die Mannschaft gleicht einem Boxer, der nach jeder Runde aufsteht, nur um wieder auf die Bretter zu fliegen. Die Beine wackeln, der Blick ist leer. Aber der Gong ist noch nicht geläutet.

Jetzt kommt der TVB Stuttgart, selbst tief in der Gefahrenzone. Ein Sechs-Punkte-Spiel im April, das sich wie ein Finale anfühlt. Sigtryggsson setzt auf die «heimspielhalle», auf 4.000 Wetzlarer, die schon so viel ertragen haben. «Wenn die Halle brennt, können wir jeden schlagen», sagt er. Doch die Faktenlage spricht gegen ihn: Die HSG gewann erst zwei Heimspiele – das ist kein Feuer, das ist ein Zündholz in einem Sturm.

Seipp zweifelt öffentlich: «überraschungspunkte? fehlanzeige»

Seipp zweifelt öffentlich: «überraschungspunkte? fehlanzeige»

Geschäftsführer Björn Seipp ist kein Mann für schönfärberei. «Von einem Überraschungserfolg sind wir weit weg», sagt er knapp. Er erwartet «eine deutliche Reaktion», nicht nur Körpersprache, sondern eine Ansage mit Ball und Netz. Die Rede ist vom «Handwerkszeug», das vorhanden sei. Doch das Handwerkszeug half auch in Minden – beim 33:31-Sieg vor drei Wochen – nur für 60 Minuten. Danach folgte die nächste Ohrfeige.

Parallel laufen bereits die Bürokratie-Maschinen: Die Lizenz für die 2. Liga ist beantragt. «Das ist unsere Pflicht», sagt Seipp. Aber hinter den Kulissen heißt es: Wer heute schon den Notfall plant, hat morgen vielleicht keine Kraft mehr für die Rettung. Die HSG arbeitet also zweigleisig – mit Hoffnung und Absicherung. Die Fans fragen sich: Wofür springt man auf, wenn das Netz schon aufgebaut ist?

Donnerstag, 19 Uhr, Ballwurf. Entweder der Befreiungsschlag oder die Vorentscheidung. Die Saison ist ein Thriller geworden, in dem der Held schon blutet. Die Zuschauer bekommen keine Antwort auf die Frage nach dem Happy End – nur auf die Frage, ob der Kampf noch einmal richtig wehtut.