Pesic wirft nach 45 jahren das handtuch: „jetzt reicht’s, alter“
Svetislav Pesic hat genug. 45 Jahre lang hat er auf der Bank gestanden, EM-Titel geholt, Europapokale gewonnen, Stars wie Nowitzki und Bogdanović geformt – und sich selbst dabei fast kaputtgemacht. Jetzt, mit 76, sagt der Serbe in einem Interview der Zeit: „Nach dieser Saison reicht es nun wirklich.“
Der moment, in dem er sich selbst für verrückt hielt
Es war ein Januarmorgen in einem Hotelzimmer irgendwo in Europa, kurz vor einem EuroLeague-Spiel. Pesic schaut aus dem Fenster, dann in den Spiegel. „Was machst du eigentlich hier, bist du verrückt? Du bist bald 77 und immer noch Trainer. Die 90 schaffst du noch, das sind noch 13 Jahre. Da sagte ich mir: Schluss mit Basketball, hör endlich auf!“
Die Worte hallen nach. Denn sie kommen nicht von irgendeinem Rentner, sondern von einem der erfolgreichsten europäischen Coaches aller Zeiten. Mit Jugoslawien gewann er 1990 die Weltmeisterschaft, mit Deutschland 1993 die Europameisterschaft – beide Male als Chef. Mit Barcelona holt er 2003 die EuroLeague, mit Bayern 2014 die deutsche Meisterschaft. Und jetzt, in seiner zweiten Münchner Amtszeit, steht der Klub wieder an der Spitze der Bundesliga.

Warum er trotz tabellenführung geht
Die Playoffs in der EuroLeague verpasst der Rekordmeister, im Pokal war im Halbfinale Schluss. Genug, um sich selbst zu fragen, ob es noch Sinn macht. „Ich werfe keine Taktikbretter mehr, ich brauche keine Nächte mehr durchzocken“, sagt er. Stattdessen will er Kurse geben, Talente coachen, „aber nicht mehr 300 Tage im Jahr Hotelfrühstück riechen“.
Pesic hat drei Kinder, sieben Enkel. Eine Frau, die seit Jahrzehnten auf ihn wartet. „Barcelona und Pirot sind keine Reiseziele mehr, sondern Zuhause“, sagt er. Und dann lacht er, dieses schief-grinsende Lachen, das seine Spieler kannten – wenn er sie zur Weißglut trieb. „Ich werde immer im Basketball aktiv sein. Aber Cheftrainer? Das ist ein Job für Jüngere.“

Ein abschied, der keine tränen braucht
Kein Weinen, keine große Abschiedstour. Pesic hasst Ruhm. Er wird einfach nach der letzten Saisonspiel den Kugelschreiber weglegen, den Staff übergeben und gehen. „Ich habe nichts mehr zu beweisen. Ich habe alles gewonnen. Und ich habe mich selbst besiegt – diesmal nicht den Gegner.“
Die Bayern werden die Bundesliga wohl gewinnen. Ein letzter Titel, dann ist Schluss. 45 Jahre, acht Länder, 17 Trophäen. Und ein Satz, der bleibt: „Ich kann nicht mehr länger Cheftrainer sein, sonst vergesse ich, wie meine Enkel heißen.“
