Walscheid schlägt roglic und schockt die tirreno-favoriten
26 Sekunden fehlen Max Walscheid zum Sieg – und nur drei Sekunden trennen ihn von Primoz Roglic. Beim Auftaktzeitfahren der Tirreno-Adriatico schickt der deutsche Rennfahrer eine Brandmelding durchs Fahrerfeld: Der 32-Jährige aus dem sauerländischen Pelkum schafft als Dritter das Podest, lässt den zweimaligen Zeitfahr-Weltmeister Filippo Ganna zwar gewinnen, aber Sloweniens Superstar klar hinter sich.
Der winter zahlt sich aus
Walscheids 12:34 Minuten auf den 11,5 flachen Kilometern rund um Lido di Camaiore bedeuten mehr als nur einen guten Tag. Sie sind das Resultat monatelanger Arbeit im Windkanal, auf dem Rollentrainer und in kalten Garagen. „Wir haben im Winter viel am Zeitfahren gearbeitet. Der Kurs war mehr oder weniger perfekt für mich“, sagt er, fast schon lakonisch. Dahinter steckt ein Trainingsplan, der ihn morgens um fünf auf den Sattel zwang, während andere noch schliefen.
Sein neues Team Lidl-Trek beliefert ihn seit diesem Jahr mit Daten, Material und einem Stab von Aerodynamikern. Die investieren nicht in Pogacars Kronleuchter, sondern in eine Sauerländer Ausdauermaschine, die bislang vor allem als Sprungbrett für den italienischen Lead-out von Jonathan Milan galt. Jetzt steht plötzlich Walscheid selbst im Rampenlicht – und das, obwohl er in den Bergen nur Helfer spielen wird.

Roglic und del toro landen abgeschlagen
Die 31 Sekunden, die Primoz Roglic auf Ganna verliert, klingen nach einem Rutsch auf einem Nebenplatz. Für einen Mann, der Tirreno-Adriatico 2019 und 2022 gewann, ist das ein Warnschuss. Noch deutlicher fällt Mexikos Hoffnungsträger Isaac del Toro aus: 36 Sekunden Rückstand, obwohl das UAE-Team ihn als neuen Pogacar-Prinzen feiert. Die Power-Werte passen noch nicht, die Nerven offenbar auch nicht.
Dahinter folgt ein Feld deutscher Fahrer, das sich die Frage stellt, ob die Wintervorbereitung vielleicht doch zu gemütlich war. John Degenkolb (+1:08) wird 56., Hannes Wilksch (+1:39) 120., Georg Zimmermann (+1:50) sogar 141. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Wer nicht bis zur Schmerzgrenze trainiert, bekommt an der Adria die Quittung.

Morgen wird es hügelig – und milan will sprinten
Die zweite Etappe führt über 206 Kilometer nach San Gimignano, und die ersten Anstiege werden die Liste neu sortieren. Für Walscheid heißt das: Rang drei war schön, jetzt wird wieder Dienst nach Vorschrift. Sein Job ist es, Milan in die finale Cross-Wind-Position zu bugsieren, damit der Italiener die Speedmax-Phase nutzen kann. „Ich bin hier, um zu helfen“, sagt er und klingt dabei fast erleichtert. Die Bühne gehört dann wieder anderen – aber die 26 Sekunden am Mittwoch bleiben im Kopf der Konkurrenz hängen.
Am Ende der Woche steht wie immer San Benedetto del Tronto. Wer dann das blaue Trikot trägt, wird sich an diesen ersten Tag erinnern – an den Tag, an dem Max Walscheid bewies, dass man auch ohne Kronprinzen-Trikot eine Runde lang der König sein kann.
