Waldschmidt: der joker, der köln retten könnte – aber.
Luca Waldschmidt hat es wieder einmal gezeigt: Wenn er auf dem Platz steht, passieren gute Dinge. Der Treffer zum 1:1 gegen St. Pauli per Elfmeter war der jüngste Beweis, aber die Frage bleibt: Warum spielt der talentierte Angreifer nicht von Beginn an?
Die bank als stärke – und das dilemma
Drei Spiele unter Interimstrainer René Wagner, drei Auftritte von der Bank für Waldschmidt, und dreimal war der 29-Jährige maßgeblich an positiven Offensivaktionen beteiligt. In Frankfurt bereitete er das 2:2 mit seinem ersten Ballkontakt vor, in Bremen schickte er Isak Johannesson auf Vorlage, der das spielentscheidende 3:1 erzielte. Nun traf er in Hamburg per Elfmeter. Die Bilanz liest sich wie der perfekte Joker, der immer dann zuschlägt, wenn es brenzlig wird. Doch genau das ist das Dilemma: Solange Wagners Ansatz mit der Doppelspitze aus Said El Mala und Ragnar Ache gut funktioniert, sieht der Coach wenig Grund, seine bewährte Taktik zu ändern und Waldschmidt in die Startelf zu befördern.
Waldschmidts Qualitäten sind unbestritten. Seine Technik, sein Torinstinkt und seine Fähigkeit, in der Offensive Impulse zu setzen, sind klar erkennbar. Doch Wagners Spielidee, geprägt von langen Bällen und schnellen Umschaltbewegungen, passt nicht optimal zu Waldschmidts Stärken. Ache dient als Zielspieler bei hohen Bällen, El Mala schaltet sich mit seiner Geschwindigkeit ein – Waldschmidt erfüllt keine dieser Rollen.

Die lösung liegt im umdenken?
„Das Thema, mit Luca zu sprechen, werde ich mir ansehen“, gab Wagner jüngst zu Protokoll. Es scheint, als ob er sich der Situation bewusst ist. Eine Anpassung der Spielanlage, weg von den hohen Bällen hin zu einem variableren Offensivspiel, könnte Waldschmidt endlich den Raum geben, seine Qualitäten voll auszuleben. Die rechte Außenbahn, auf der der Angreifer ebenfalls eingesetzt werden kann, ist momentan stark defensiv ausgerichtet. Jan Thielmann rückte in Hamburg immer wieder in die Fünferkette – auch das schränkt Waldschmidt in seinen Möglichkeiten ein.
Thomas Kessler, der Sport-Geschäftsführer des 1. FC Köln, zeigte sich ebenfalls angetan von Waldschmidts Leistungen: „Ich freue mich extrem für Luca. Er trainiert seit Wochen auf einem Top-Niveau, kommt rein, nimmt sich den Ball und trifft. Das ist die Verantwortungsübernahme, die wir in solchen Situationen brauchen.“ Ein starkes Zeugnis, das die Notwendigkeit einer stärkeren Integration von Waldschmidt in das Spielsystem unterstreicht.
Die Wahrheit ist: Waldschmidt hat sich seine Chance verdient. Seine Leistungen von der Bank sind beeindruckend und zeigen, dass er bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. Ob Wagner den Mut aufbringt, seine Spielidee zu ändern, um den Joker in den Stamm zu integrieren, bleibt abzuwarten. Doch eines ist klar: Solange Köln mit dem aktuellen Ansatz erfolgreich ist, wird es für Waldschmidt schwierig, einen festen Platz in der Anfangself zu finden.
„Dass ich gerne lange auf dem Platz stehe, ist, glaube ich, kein Geheimnis“, gestand Waldschmidt nach dem Spiel in Hamburg. „Aber es geht hier um die Mannschaft und den Verein, darum, dass wir erfolgreich sind. Da trägt jeder seinen Teil zu bei und ich probiere Tag für Tag alles zu geben.“ Ein fairer Kompromiss, der zeigt, dass Waldschmidt trotz seiner Frustration den Blick auf das große Ganze hat.
