Vujevic bricht zusammen, cavaleiro trifft – fcz dreht spiel trotz defensiv-crash
Die 73. Minute im Letzigrund: David Vujevic sackt zusammen, packt sich an den Oberschenkel und spielt die Unschuld vom Himmel. Der 22-jährige Innenverteidiger hat soeben die Grätsche seines Lebens riskiert, doch statt Applaus erntet er ein Ziehen, das sich wie heißes Metall durch die Wade frisst. Ein Satz auf den Rasen, ein Blick zum Trainer – und schon kommt Daniel Ihendu. Die Defence des FC Zürich verliert damit ihren vierten Akteur innerhalb von fünf Wochen, die Infirmarie quillt über, die Führung aber liegt noch in weiter Ferne.
Der moment, in dem alles kippt
Was folgt, ist keine taktische Glanzleistung, sondern reiner Survival-Instinkt. Cavaleiro, bis dahin ein Flügelpapier, wandert ins Zentrum, zieht mit links ab – der Ball rutscht durch die Schlitze der gegnerischen Abwehr wie ein gestohlener Scheck. 2:1. Die Kurve explodiert, Vujevic sitzt auf der Bank, die Hand auf dem Oberschenkel, das Gesicht eine Mischung aus Schmerz und Erleichterung. Sein Ausfall wird in den kommenden Tagesthemen als „weiterer Rückschlag“ tituliert, doch im Liveticker zählt nur die Tatsache: Der FCZ hat gerade gelernt, dass man auch mit zehn kompletten Beinen gewinnen kann.
Trainer André Breitenreiter reagiert mit der kalten Miene eines Mannes, der weiß, dass die nächste Länderspielpause nicht mehr reicht, um seine zerschlissene Viererkette zu flicken. „Wir haben heute gesehen, dass Charakter Tore schießt, nicht nur Taktik“, sagt er nach Abpfiff und meidet jede konkrete Diagnose für Vujevic. Die Untersuchung am Montag wird entscheiden, ob es sich um einen Faserriss oder nur um einen harschen Muskelkater handelt – für den Spielplan ist das ein Unterschied von drei Wochen versus drei Monaten.

Die rechnung ohne die abwehr gemacht
Die Ausfälle häufen sich seit Wochen: Erst Verteidiger Sohm, dann Nef, jetzt Vujevic. Die Statistik dahinter ist gnadenlos: Der FCZ kassierte in den letzten sieben Partien zwölf Gegentore, dreimal musste früh umgestellt werden. Die Lösung? Ein 19-jähriger Eigengewächs aus dem U21-Team, ein Sechser, der vor zwei Jahren noch im Mittelstürmer spielte, und eben Cavaleiro, der heute nicht nur den Siegtreffer erzielte, sondern auch zweimal in der eigenen Box klärte. „Wir spielen Fußball, nicht Schach“, sagt der Portugiese später. „Manchmal muss man einfach rennen, bis die Lungen bluten.“
Für die Fans ist das kein Trost, sondern ein Versprechen: Solange die Torschützen treffen, bevor der Arzt kommt, bleibt der Club in der oberen Tabellenhälfte. Die Realität sieht anders aus: Mit Vujevic fehlt nun der letzte echte Ballverteiler in der Hintermannschaft, und die Gegner werden die Lücke mit langen Bällen testen. Der FCZ muss in den nächsten Wochen gegen Basel und St. Gallen ran – zwei Teams, die ihre Stürmer nicht nach Gewicht, sondern nach Sprintgeschwindigkeit einteilen.
Am Ende zählt aber nur die Tabelle, und dort steht der FCZ nach diesem 2:1-Sieg auf Platz drei. Die Saison ist noch lang, die Verletztenliste auch. Aber wie Breitenreiter vor der Pressekonferenz noch flüsterte: „Wenn wir jedes Mal ein Tor bekommen, wenn einer verletzt raus muss, dann sollten wir einfach öfter wechseln.“ Ironie inklusive – und ein Plan, der so verrückt ist, dass er vielleicht sogar funktioniert.
