Watzke zieht sich zurück, schlotterbeck bleibt offen: dortmunds heißeste poker-runde
Hans-Joachim Watzke redet sich raus – und hält die Schlagzeile in der Hand. Der BVB-Präsident gibt sich bei der Frage nach Nico Schlotterbeck „verhalten optimistisch“, doch hinter den Kulissen läuft ein Poker, der Dortmunds Zukunft verändern kann. Die Verhandlungen laufen, das Ergebnis steht offen.
Watzke selbst war letzte Woche nur kurz im Büro. „Ich trenne das schon ein bisschen“, sagt er, nachdem er zufällig auf Schlotterbeck und dessen Berater Sebastian sowie Lars Ricken traf. Ein Zufall? Unwahrscheinlich. Der 66-Jährige zieht sich bewusst zurück – und überlässt den Verhandlungen freie Bahn. Seine Devise: „Ich würde mir wünschen, dass es wirklich schnell geht.“
Der abwehr-chef und das schweigen um seine zukunft
Schlotterbeck ist mehr als nur ein Innenverteidiger. Er ist der Mann, der die Dortmunder Defensive seit Monaten stabilisiert. Seine Entscheidung wird über den Kader von Niko Kovacs entscheiden – und über die sportliche Richtung des Klubs. Bleibt er, bleibt auch die Kontinuität. Geht er, droht ein Dominoeffekt.
Watzke betont, dass er „ein gutes Verhältnis“ zu Schlotterbeck habe. Doch gute Beziehungen zahlen keine Gehaltsgrenzen. Der Nationalspieler verlangt Marktwert, der BVB muss kalkulieren. Die Frist läuft, der Sommer naht. Und mit ihm das Transferfenster, das alles offen lässt.

Bayern als maßstab und dortmunds makel
Während der BVB um Schlotterbeck ringt, lobt Watzke den Erzrivalen aus München in höchsten Tönen. „Bayern ist für mich momentan die beste Mannschaft in Europa“, sagt er – und meint es ernst. Die Münchner haben Dortmunds Pechgegner Bergamo im Achtelfinale der Champions League „vorgeführt“, wie Watzke mit einem gewissen Neid anmerkt.
Dortmund selbst blieb nach dem 1:4 in Bergamo auf der Strecke. „Wir haben einen schlechten Tag gehabt. Und der hat uns gekillt“, resümiert Watzke. Die Saison ist gut, aber nicht gut genug. Die Punkteausbeute wäre in anderen Jahren für die Meisterschaft gereicht – nur nicht in dieser, in der Bayern „unwiderstehlich vorneweg marschiert“.
Die Lehre: Selbst bei 60 Punkten zählt nur der Platz an der Sonne. Und der ist München. Watzke weiß: Ohne Schlotterbeck wird es noch schwerer, den Anschluss zu halten. Die Verhandlung ist kein Schaulaufen mehr – sie ist ein Machtkampf mit offenem Ausgang. Der BVB hat den Ball. Aber der Gegner ist nicht mehr auf dem Platz, sondern im Büro.
