Vinicius zerlegt atlético – chelsea stolpert weiter
Vinicius Junior traf zweimal, Fede Valverde tankte sich durch das ganze Stadion – und Atlético Madrid musste in der 26. Minute schon wissen, dass der 291. Stadtderby eine Machtdemonstration des großen Bruders wird. Real siegt 3:1, springt vorübergehend an die Tabellenspitze und liefert die zwei größten Pluspunkte des europäischen Wochenendes.
Licht und schatten in madrid, london und leverkusen
Die erste Doppelpack des Brasilianers im weißen Trikot war nur die Spitze. Thibaut Courtois parierte einen Elfmeter, Luka Modrić wurde 38 Jahre alt und lief 75 Minuten wie ein 23-Jähriger. Atlético dagegen steht vor der Frage, ob Diego Simeone mit diesem Kader noch die zweite Saisonhälfte retten kann – acht Punkte Rückstand, die sich wie zwölf anfühlen.
London ruft nach einem Notarzt. Chelsea kassierte gegen Everton die vierte Niederlage in fünf Partien, und das 0:2 an der Stamford Bridge war gar noch gut ausgegangen. Die Blues haben seit Jahresbeginn zwei Ligaspiele gewonnen, die Anhänger skandieren „We want Potter back“, während Graham Potter mit leeren Händen dasteht und die Statistik nur noch mit Nebelkerzen beschönigt.
In Deutschland schoss Jonas Castrop seine erste beiden Bundesliga-Treffer – und das, obwohl Bayer Leverkusen am Ende nur 2:2 gegen Bayern München spielte. Der 21-Jährige Hannoveraner Leihmann riss die Arme hoch, als hätte er das Pokalfinale entschieden. Seine Familie saß in der Nordkurve, die Mutter weinte, der Vater filmte – ein Foto, das in den Klubarchiven bald zwischen Ballack und Kießling hängen wird.

Die noten, die niemand bestellt hat
Valverde bekommt eine 1+, weil er zweimal die Seiten wechselte, bevor die Gegner den Kopf drehen konnten. Vinicius eine 1 mit Sternchen – seine Läufe rissen Löcher in die Atlético-Kette, die wie altes Papier auseinanderfiel. Courtois darf sich mit einer 2 zufriedengeben, obwohl er eigentlich Urlaub hätte nehmen können.
Auf der Rückseite der Liste steht João Félix mit der 5, weil er sich beim Stand von 0:2 fragte, ob er nochmal nach Madrid zurückkehren will. Chelsea komplett in Sperrblack: Enzo Fernández rutschte durchs Mittelfeld wie auf Sohlen aus Seife, Kai Havertz sah aus, als warte er auf eine Einladung, die nie kam – beide kriegen eine 5+. Graham Potter darf sich mit einer 6 trösten, denn schlimmer geht es nur noch ab in die Championship.
Ciro Immobile kehrt in Italien auf die Torjägerliste zurück, trifft gegen Monza und spürt, dass die Kurve ihn wieder liebt – 2:0 Lazio, die Biancocelesti springen auf Rang drei. In Frankreich erzielt Lionel Messi sein viertes Tor in drei Spielen, PSG gewinnt 3:0 in Marseille – und die Le Parc-Anhänger pfeifen trotzdem, weil sie Paris-Saint-Germain und nicht Paris-Messi sehen wollen.
Die Tabelle lügt nie, sagt man. Aber sie erzählt auch nicht die ganze Wahrheit. Real Madrid feiert den Derbysieg, weiß aber, dass Barça ein Spiel weniger hat. Chelsea taumelt mit 31 Punkten auf Rang zehn – das ist so viel Selbstvertrauen, wie man mitbringen muss, um gegen Everton zweimal den gleichen Konter zu kassieren. Und Leverkusen? Die Werkself hat jetzt zwei Tage, um sich auf die Europa-League-Partikel zu konzentrieren – dann spielt Castrop vielleicht schon wieder von Anfang an.
