Vfl potsdam schlängelt sich durch liga zwei – bundesliga-traum nur ein schritt weg?

Ein halbes Jahr nach dem Absturz aus der ersten Liga glüht der VfL Potsdam wieder. Vier Punkte fehlen zum Aufstiegsrang, die Halle kocht, und Geschäftsführer Frank von Behren hält die Karten offen: „Wir wollen jedes Spiel gewinnen – und wenn sich dann die Tür zur Bundesliga öffnet, wehren wir uns nicht dagegen.“

Der bundesliga-schock als lehrstunde

Die Saison 2024/25 war ein einziger Crashtest: nur drei Siege, 26 Niederlagen, Platz 18. Doch statt zu jammern, nutzte der Klub die Konfrontation mit dem deutschen Spitzenhandball als Masterclass. „Wir haben gelernt, wie ein Spieltag in der ersten Liga funktioniert – von der Medienarbeit bis zur Security-Koordination“, sagt von Behren. Die internen Abläufe seien straffer geworden, die Infrastruktur professioneller. Ein Gewinn, den auch die zweite Liga spürt.

Doch ein Schönheitsfehler bleibt: Die Zuschauer kamen zwar, doch sie schauten mehr auf THW Kiel und SC Magdeburg als auf den Gastgeber. „Für die Fanbase hat das Bundesliga-Jahr nur bedingt geholfen“, räumt von Behren ein. Die Zahlen sprechen: In der Top-Spielzeit lag der Schnitt bei 2.300 Besuchern – ein Sprung, doch die Stammgemeinde wuchs kaum. Der Klub will jetzt mit Familien-Ticket-Paketen und Schul-Kooperationen nachlegen.

Nachwuchs statt millionenkader

Nachwuchs statt millionenkader

Während andere Klubs nach dem Abstieg mit Importstars pokern, setzt Potsdam auf Eigenbau. Zehn Abgänge im Sommer, dafür sieben Eigengewächse, darunter drei A-Jugend-Europameister. Emir Kurtagic, frisch bis 2027 verlängert, coacht die Talente mit Mikro-Bord und Video-Analytics. „Er sieht Fehler, die keiner sieht“, schwärmt von Behren. Der Beweis: Kapitän Marco Mengon wechselte zwar im Winter zu den Füchsen Berlin, doch dessen Ersatzmann Finn Rehbein, 19 Jahre, erzielte in den letzten fünf Partien bereits 22 Tore.

Das Prinzip zahlt sich doppelt aus: Der VfL erhielt 2026 erneut das Jugend-Zertifikat des Deutschen Handball Bundes – nur vier Klubs in Liga zwei schaffen das. „Wir würden die erste Liga nicht erkaufen wollen“, betont von Behren. Kein Versteckspiel: Ein Aufstieg wäre willkommen, aber nur mit dem eigenen DNK.

Die nächsten wochen entscheiden den jackpot

Die nächsten wochen entscheiden den jackpot

Am Sonntag geht’s nach Coburg, eine Woche später empfängt der VfL Nordhorn – beide Direktkonkurrenten um Platz zwei. „Das sind die Spiele, auf die wir den Fokus gelegt haben“, sagt von Behren. Die Statistik gibt ihm recht: Gegen Coburg gewann Potsdam drei der letzten vier Duelle, gegen Nordhorn sogar vier von fünf.

Doch die Tabelle ist ein Pulverfass. SC Magdeburg II und HSG Krefeld punkteten zuletzt durchgehend, der Rückstand kann sich in zwei Wochen auf zwei oder auf acht Zähler vergrößern. Von Behren bleibt gelassen: „Wir kontrollieren nur unsere Leistung.“ Sein internes Motto: „Jede Woche Finale.“

Die Halle in Potsdam fasst 3.200 Fans, aktuell sind es im Schnitt 2.850 – eine Auslastung von 89 Prozent. „Wir wollen die 100 Prozent knacken und ein emotionales Signal setzen“, so von Behren. Wenn die Kurve rockt, fliegt auch der Ball schneller.

Die Saison ist noch jung, doch der VfL spielt bereits mit offenem Visier. Ein Aufstieg würde die Club-Kasse um rund 1,5 Millionen Euro TV-Geld boosten – Geld, das direkt in den Hallen-Neubau fließen soll. Geplant ist eine 5.000-Plätze-Arena am Potsdamer Luisenplatz, Genehmigungsverfahren läuft. Von Behren: „Wenn wir aufsteigen, beschleunigt das den Spatenstich.“

Der Traum lebt – mit oder ohne Bundesliga. Denn der VfL hat längst bewiesen: Er fällt auf, egal in welcher Liga. Und manchmal ist der zweite Anlauf der bessere.