Verstappen kocht: neues reglement lässt titelheld platzen

Er ist es nicht mehr gewohnt, hinten dranzuhängen. Max Verstappen hetzt durch die Boxengasse, wirft den Helm in die Ecke, knallt die Tür. Hinter ihm Platz acht in Schanghai, vor ihm Ralf Schumacher im Sky-Studio – und der sagt, was viele denken: „Hör auf zu jammern, Max!“

Der viermalige Weltmeister hatte sich nach dem Rennen wieder über sein „unfahrbares“ Auto ausgelassen. Neue 50-Prozent-Elektro-Power, schmalere Reifen, wenig Abtrieb – das Reglement 2026 in Vollkraft. Verstappen: „Ich genieße das Auto nicht wirklich.“ Der Satz ist kaum raus, da legt Schumacher nach. Der Ex-F1-Pilot fordert öffentlich, dass der Niederländer „seinem Team helfen soll, das mit Konstruktionsproblemen kämpft“. Stattdessen drohe Verstappen mit Ausstieg und spiele mit Gedanken an IndyCar oder Langstrecken-Sport.

Die rechnung der hersteller

Was Schumacher dabei nicht vergisst: Die neuen Regeln sind kein Schnellschuss. 2022 einigten sich Teams, FIA und Formel-1-Management auf das Konzept – damals wollten einige Hersteller sogar ein reines E-Reglement. Milliarden flossen in Motorenfabriken, Windkanäle, neue Karbon-Chassis. Verstappens Arbeitgeber Red Bull investierte gemeinsam mit Ford kräftig mit. Wer jetzt umschwenkt, riskiert Geldströme und Partner.

Verstappens Antwort darauf klingt wie ein Schulterschluss mit sich selbst. Er habe „nicht vor aufzuhören“, aber eben auch keine Lust mehr, mit einem Formel-Auto zu kämpfen, das sich „wie ein LKW auf Eis“ anfühlt. Der Speed fehlt, der Rhythmus stört sich an zwangsgezügelten 300 km/h statt den früheren 370. Die Zeiten, in denen er die Konkurrenz mit Karacho in die Schranken wies, wirken wie aus einer anderen Galaxie.

Plan b läuft schon

Plan b läuft schon

Parallel zur Schaltzentrale in Milton Keynes hat Verstappen längst einen Notgang gebaut. Mai 2026, Nürburgring: Er wird im Mercedes-AMG GT3 über die Nordschleife donnern – 24 Stunden lang, ohne Hybrid-Bremse und ohne elektronische Leistungskurve. Dort, sagt er, könne er „noch reines Racing“ erleben. Die Ironie: Ausgerechnet ein Silberpfeil soll dem Red-Bull-Star die nötige Adrenalinspritze verpassen.

Die Formel 1 selbst steht vor einem Dilemma. Einerseits braucht sie das Gesicht des dominierenden Champions, andererseits kann sie ein Reglement nicht einfach über Bord werfen, das erst zwei Rennen alt ist. Intern kursiert ein Kompromiss: 2027 soll die elektrische Leistung auf 40 Prozent zurückgeschraubt werden, dafür mehr Downforce erlaubt. Die Entscheidung fällt im Dezember, Verstappen sitzt mit am Tisch. Ob er bis dahin noch Lust hat, ist offen.

Fakt ist: Er fuhr in diesem Jahr noch nie so langsam. Und nie so laut. Die nächste Runde startet in zwei Wochen in Baku. Dort wird wieder gegrummelt – entweder vom Motor oder vom Champion selbst.